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MTZ®-BIOPRO Schülerpreis 2019

Der Einladung der MTZ®stiftung und der BIOPRO Baden-Württemberg zum Aktionstag am 5. September 2019 folgten 14 Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Schülerpreises. Kurzweilige Laborführungen an den Fraunhofer-Instituten IPA und IGB und ein Zukunftsworkshop ermöglichten einen unkomplizierten Austausch zwischen den Forschern und den jungen Abiturienten und Abiturientinnen.

„Viele Entwicklungen aus der Forschung kommen nicht am Markt an, da sie „overengineered“ und damit nicht praxistauglich sind. Gleichzeitig werden die Herausforderungen so komplex, dass nur die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche zu Ergebnissen führen kann“, so Martin Thoma, Leiter der Laborautomatisierung am Fraunhofer IPA. Sein Appell an die jungen Abiturienten: „Netzwerken beginnt im Studium! Nehmen Sie an Wettbewerben teil und tauschen Sie sich mit Freunden aus.“ Zudem empfiehlt er während des Studiums den Blick über den Tellerrand der Hochschule hinaus. An den außeruniversitären Forschungseinrichtungen werde immer Unterstützung gebraucht, von der fachübergreifenden Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen würden stets beide Seiten profitieren.

Humor im Labor 

Die Abiturientengruppe konnte einige Beispiele aus der täglichen Arbeit bestaunen. So zum Beispiel „Kevin - alone in the lab“, der bereits in 4. Generation gebaute und marktreife mobile Roboter Care-O-bot®, der seinen Namen aus einer Abstimmung der Mitarbeiter erhalten hat. Man trifft ihn am Fraunhofer IPA beim Ausführen von Laborprozessen oder auch bei Botengängen auf den Fluren. Mithilfe einer Kamera kann der Lauf- und Laborroboter seine Position anhand von Sichtmarken am Zielgerät ausrichten und mit dem Roboterarm treffsicher Bewegungen ausführen. In einer bekannten Elektrohandelskette wird man als Kunde unter Umständen von Kevins Pendant Paul begrüßt.

Kleine Alleskönner Mikroalgen

Welche Vorteile Mikroalgentechnologie im Vergleich zur herkömmlichen Pflanzenzucht hat, ließ sich vor Ort am IGB am Subitec-Bioreaktor erkennen: Auf vergleichsweise kleiner Fläche vermehren sich Algen unter kontrollierten Bedingungen. Und obwohl sie im Wasser schwimmen, brauchen sie weniger Wasser als Tomaten zu Hause auf dem Balkon. Im Labor wird vorrangig an Süßwasser-Algen geforscht. In Zeiten des Klimawandels gewinnen aber auch Meerwasseralgen immer mehr an Bedeutung. Zudem kann die Alge als eine Biomasse, also im Ganzen verarbeitet werden, wohingegen bei Bäumen der Stamm, die Äste und die Blätter getrennt verarbeitet werden müssen. Interessant sind Mikroalgen vor allem für die Pharma-, Food- und Feedindustrie. Dem grauen Lachs aus Aquakultur verleiht Astaxanthin das dem Verbraucher vertraute Orange. Zudem ist das Antioxidans Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln und Körperpflegeprodukten zu finden.

Trotz all der Vorteile sind Algen kompliziert. Sie brauchen ideale Bedingungen an Licht-, Temperatur- und Sauerstoffversorgung und werden über Wochen und Monate überwacht und kontrolliert, bis sie anschließend geerntet werden können. Biologen werden dabei von viel Technik unterstützt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kollegen mit Ingenieur- und Programmierkenntnissen ist unerlässlich. Besonders mit Blick auf die zunehmende Automatisierung wird diese fachübergreifende Expertise auch zunehmend gefragt sein. 

Im Workshop wurde der Frage nachgegangen, wo junge Menschen mit Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit in Berührung kommen. Dabei zeigten sich deutliche Tendenzen zu kurzen Videos auf Youtube oder Instagram – die klassische Website wird nach Aussage der Teilnehmerinnen und Teilnehmer selten bis gar nicht besucht. Die Wahrnehmung einer Information erfolgt vor allem über Bilder und die Überschrift, erst dann würden Texte gelesen – sofern das Interesse daran geweckt werden konnte.

Nachhaltigkeit - "Leuchtet schon ein, aber setzt man es auch um?"  

Das Bewusstsein für Umweltschutz und die Klimadebatte, beispielsweise wie bei den Schülerdemonstrationen Fridays for Future, wächst, so die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Aktionstages. Schüler wollen jedoch nicht belehrt werden. Initiativen müssten sehr gut und überzeugend gemacht sein, damit die Bemühungen von den jungen Menschen akzeptiert würden. Aktionstage an Schulen würden überwiegend als wenig fesselnd wahrgenommen und beruhen eher auf der Theorie. Oft fehlen konkrete Beispiele, was im Alltag umsetzbar sei. Ein gemeinsamer Besuch in einem Unverpacktladen oder herkömmlichen Supermarkt als Vergleichsbasis etwa hätten einen größeren Einfluss auf das persönliche Verhalten.

Der Aktionstag kam zur richtigen Zeit, da sich die Abiturienten gerade in einer Orientierungsphase befinden. Sie profitierten vom Austausch mit den anderen Abiturienten anderer Biotechnologischer Gymnasien, den vielen vorgestellten Berufsmöglichkeiten am Institut und den persönlichen Tipps der Institutsmitarbeiter. Die am Aktionstag gezeigte Forschung und neuen Technologien seien deutlich innovativer als die „Bio-Klassiker“ im Schullehrplan. So hat nur wenige Tage nach dem Besuch bereits der erste Abiturient Kontakt mit dem Fraunhofer-Institut aufgenommen, um Fragen zu einem Praxissemester während des Bachelors zu stellen.


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