Rückblick: Forum Gesundheitsindustrie Baden-Württemberg 2016

Neue Wege zu Innovationen in der Gesundheitsindustrie

„Innovation gelingt nur, wenn Wissenschaft und Wirtschaft im gleichen Team spielen und sich im Team dem internationalen Wettbewerb stellen“. Mit diesen Worten begrüßte Dr. Christian Tidona, Geschäftsführer des BioRN Network e.V. und diesjähriger Regionalpartner der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, die rund 200 Teilnehmer am 13. Oktober in Heidelberg und brachte damit das Motto der Veranstaltung auf den Punkt.

Dr. Siegfried Jaumann vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau hielt eine Begrüßungsrede auf der Veranstaltung. © Schwerdt/ BIOPRO

Dr. Siegfried Jaumann vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sieht die Gesundheitsindustrie gut aufgestellt. „Baden-Württemberg kann hier in der Champions League ganz vorne mitspielen“, betonte er in seiner Begrüßung die wirtschaftspolitische Relevanz der Pharmaindustrie, Biotechnologie und Medizintechnik für das Land. Das belegen auch die aktuellen Zahlen der BIOPRO Baden-Württemberg, die anlässlich des Forums veröffentlicht wurden: Die Biotechnologie-Branche (156 Unternehmen) und die Pharmazeutische Industrie (80 Unternehmen) sind auf hohem Niveau stabil. Sie tragen mit rund 37.000 meist hoch qualifizierten SV-Beschäftigten und rund 11,25 Mrd. Euro steuerbarem Umsatz zur Wertschöpfung und zur Zukunftsfähigkeit des Landes bei. In der gleichen Umsatzgrößenordnung liegen auch die Eckdaten für die Medizintechnik: 818 Unternehmen erwirtschaften mit rund 47.000 SV-Beschäftigten 12,1 Mrd. Euro steuerbaren Umsatz. Der wirtschaftliche Nutzen ist damit unbestritten. „Interdisziplinarität ist ein Schlüssel, um diese Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben“, erläuterte Jaumann. „Und diese voranzutreiben und die Branchen quer zu vernetzen ist eine Stärke der vom Land beauftragten BIOPRO Baden-Württemberg.“

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Onkologie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Im engeren Sinne ist Onkologie der Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen widmet.
  • In der Molekulardiagnostik wird die Erbsubstanz (DNA oder RNA) von Krankheitserregern bzw. Körperzellen analysiert, um bestimmte Erkrankungen oder Krankheitsveranlagungen nachzuweisen. Außerdem werden auf diese Weise Vaterschaftstests durchgeführt. Man bedient sich dabei molekularbiologischer Techniken wie z.B. der PCR (Polymerase-Kettenreaktion), Gensequenzierungs- und Hybridsierungstechniken.
  • Die Computertomographie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Körperinneren. Dabei werden Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen gemacht und anschließend rechnerbasiert ausgewertet, um ein dreidimensionales Bild zu erhalten.
  • Molekular bedeutet: auf Ebene der Moleküle.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.

Hightech oder Hölle?

Der gesellschaftliche Diskurs über den Nutzen von Innovationen in der Gesundheitsindustrie ist parallel dazu zu führen, führte Prof. Dr. Ralf Kindervater in seiner Begrüßung aus. Dieses Thema griff auch Dr. Andreas Klein, Ethiker von der Universität Wien, in seiner Keynote auf. Wenn Innovationen am Markt ankommen sollen, dann muss das Machbare und das Erwünschte austariert werden. Naturgemäß läuft der gesellschaftliche Begleitdiskurs den immer schneller werdenden Innovationszyklen hinterher, es ist aber dennoch notwendig, ihn zu führen.

Prof. Dr. Christof von Kalle aus dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg hielt einen Impulsvortrag zum Thema "Translation in der Onkologie". © Schwerdt/ BIOPRO

Ein Plädoyer für die Leistungsfähigkeit der Personalisierten Medizin hielt Prof. Dr. Christof von Kalle, Leiter des NCT in Heidelberg. „Die Therapeutika für Onkologische Erkrankungen tragen mit nur 7% zu den Gesamtausgaben der GKV bei. Und das, obwohl wir einen kontinuierlichen Shift zu personalisierten Therapeutika sehen und in der Onkologie heute schon die Hälfte der Umsätze mit personalisierten Medikamenten gemacht werden.“

Highlights aus Forschungsverbünden und Unternehmen rundeten das Vormittagsprogramm ab. Der interdisziplinäre Austausch zwischen den Branchenteilnehmern stand im Fokus der Nachmittagsworkshops, die Themen wie Klinik 4.0, Molekulare Diagnostik und Personalisierte Medizin, Material und Oberflächen, Industrie 4.0 sowie innovative Therapiesysteme aufgriffen.

Dr. Christian Tidona von BioRN Network e.V. war diesjähriger Regionalpartner der BIOPRO. © Schwerdt/ BIOPRO

Neben dem fachlichen Austausch über konkrete Vorhaben in den Workshops, diskutierten die Teilnehmer anhand von vier verschiedenen Beispielen über neue Wege zu Innovationen. Tidona stellt mit der BioMedX GmbH exzellente, internationale Köpfe in den Dienst von Projekten der Pharmaindustrie. Dr. Ulf Nehrbass erklärte, wie er mit KSILINK eine Plattform aufgebaut hat, die Pharmaunternehmen und Akademia, aber auch Biotech-Unternehmen zusammenbringt, um eine beschleunigte, targetfreie Therapie-Entwicklung voranzutreiben. Das Verständnis der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG über den Nutzen von Open Innovation und Crowdsourcing war Dr. Adrian Carters Thema. Dr. Christoph Zrenner zeigte mit der Start-up Medical School in Tübingen, wie ein „medical need“ aus den Unikliniken in Projekte und am Ende idealerweise auch in Innovationen, die zu einer Unternehmensgründung führen, „übersetzt“ werden können. „Innovation ist ein Prozess, der eine kreative Idee in ein Produkt umsetzt und dieser Prozess ist Teamwork! Und er funktioniert nicht, wenn der Erfinder kein Teamplayer ist und nicht erkennt, dass auch der Wert einer Idee durch das Team wächst“, brachte Carter das Zusammenspiel von Akademia, Gründung und Big Pharma nochmals auf den Punkt.

Für die Fortsetzung dieses Austausches wird die BIOPRO Baden-Württemberg in zwei Jahren sorgen, auf dem Forum Gesundheitsindustrie 2018. Dann mit dem Regionalpartner BioLAGO.

  • Knapp 200 Teilnehmer folgten den Impulsvorträgen im Auditorium. © Schwerdt/ BIOPRO
  • Verschiedenen Firmen bot sich die Möglichkeit, sich in der forumsbegleitenden Ausstellung zu präsentieren. Zu sehen ist der eRollator der eMovements GmbH. © Schwerdt/ BIOPRO
  • Das Foyer der Print Media Academy: Eine schöne Atmosphäre für die Veranstaltung. © Schwerdt/ BIOPRO
  • In der Kaffeepause gab es ausreichend Zeit zum Netzwerken. © Schwerdt/ BIOPRO
  • Die Besucher beim Netzwerken während der Pause im Foyer. © Schwerdt/ BIOPRO
  • Zeit für Hintergrundgesräche - Prof. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftführer der BIOPRO (li.) und Frau Dr. Claudia Skamel, CTF GmbH Universitätsklinikum Freiburg (re.) © Schwerdt/ BIOPRO
  • Prof. Dr. Jan Stallkamp vom Fraunhofer IPA hielt einen Vortrag zum Thema "Klinik 4.0 - Prozessgesteuerte Diagnose und Intervention". © Schwerdt/ BIOPRO

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