Für eine bessere Krankheitsdiagnostik: BioLAGO und BIOPRO vernetzen Kliniken mit Unternehmen

Die Erkennung von Krankheiten soll in Zukunft schneller, schonender und zuverlässiger sein. Doch was genau braucht der Arzt dafür und welche Diagnosetests sind bald auf dem Markt? Im Projekt „DiagNeeds“ haben das Netzwerk BioLAGO und die Landesgesellschaft BIOPRO Baden-Württemberg den Klinikbedarf erfasst und Mediziner mit Unternehmen und Forschern bei einem internationalen Forum auf der Insel Mainau zusammengebracht. Ziel ist die Entwicklung neuer Diagnosetests.

„Klinikbedarf in neue Produkte übersetzen!“ – unter diesem Motto haben BioLAGO und BIOPRO die Bedürfnisse, Herausforderungen sowie Projekte von Anwendern und Anbietern in der Diagnostik erfasst. Beteiligt waren dabei über 20 Kliniken, Labore sowie Diagnostik-Unternehmen aus Deutschland, Schweiz und Österreich. Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag dabei auf der Bodenseeregion. So sind in den Kliniken schnellere und präzisere Tests zur Differenzierung verschiedener Erkrankungen gefragt, beispielsweise um zu klären: Ist eine Infektion bakteriell oder durch Viren ausgelöst? Geht eine Infektion auf eine akute Tuberkulose zurück? Wie kann die Diagnosezeit per Schnelltest reduziert werden? Bedarf haben die Kliniken zudem an der Erforschung neuer Marker. Dabei handelt es sich um biologische Merkmale, wie z.B. Gene oder Proteine, die Hinweise auf eine Erkrankung und deren Verlauf geben. Diese sollen unter anderem für eine bessere Erkennung von Tumoren in der Leber genutzt werden.

Glossar

  • Ein Antibiotikum ist ein Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), das in geringen Konzentrationen andere Mikroorganismen in ihrem Wachstum hemmt.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Ein Virus ist ein infektiöses Partikel (keine Zelle!), das aus einer Proteinhülle und aus einem Genom (DNA oder RNA) besteht. Um sich vermehren zu können, ist es vollständig auf die Stoffwechsel der lebenden Zellen des Wirtsorganismus angewiesen (z.B. Bakterien bei Phagen, Leberzellen beim Hepatitis-A-Virus).
  • Ein Tumor ist eine Gewebsschwellung durch abnormales Zellwachstum, die gutartig oder bösartig sein kann. Gutartige (benigne) Tumore sind örtlich begrenzt, während Zellen bösartiger (maligner) Tumore abgesiedelt werden können und in andere Gewebe eindringen können, wo sie Tochtergeschwulste (Metastasen) verursachen.
  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.
  • Die Zelldifferenzierung bezeichnet die Spezialisierung von Zellen in Bezug auf ihre Funktion und ihre Struktur. So entstehen aus undifferenzierte Stammzellen verschiedene Zelltypen wie Herzmuskel-, Nerven- oder Leberzellen, die ganz unterschiedlich ausssehen und verschiedene Aufgaben erfüllen.
  • In einem Cluster arbeiten Unternehmen – die auch miteinander in Wettbewerb stehen können – mit weiteren Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Verbänden in einem Wirtschaftsraum zielbezogen zusammen, um gemeinsam einen höheren Gesamtnutzen zu erzielen. Die Kombination von inhaltlicher und räumlicher Nähe der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette eröffnet die Möglichkeit, Innovationsprozesse zu implementieren.

70 Unternehmer, Forscher und Ärzte erarbeiten Lösungsansätze auf der Insel Mainau

Um diesen und weiteren Bedarf in Produkte umzusetzen, haben BioLAGO und BIOPRO Klinikärzte mit testentwickelnden Unternehmen und Forschern bei einem internationalen Forum auf der Insel Mainau zusammengeführt. In mehreren Workshops wurden erste Umsetzungsszenarien für bessere Verfahren erarbeitet. Monika Reuschling vom Branchenführer Roche Diagnostics Schweiz betonte in ihrem Vortrag zu zukünftigen Diagnosetests die Wichtigkeit des Mehrwerts für alle Zielgruppen: Patient, Arzt und Gesundheitssystem. Achim Plum von der Firma Curetis verwies auf die Problematik der stark zunehmenden Resistenzbildung von mikrobiellen Erregern gegenüber praktisch allen Antibiotika-Klassen. Diese würde begünstigt durch den häufig unnötigen und falschen Einsatz von Antibiotika in Verdachtsfällen ohne Kenntnis der jeweiligen Erreger. Neue Diagnoseverfahren, die beispielsweise auch genetische Resistenzfaktoren mitberücksichtigen, könnten einen gezielteren Einsatz von Antibiotika fördern und die Resistenzbildung damit verlangsamen. Professor Norbert Gretz von der Universität in Heidelberg stellte eine intelligente Nadel vor, die die Gewebestruktur mit 3D-Bildern sichtbar macht und damit die Diagnose bei chronischen Wunden und Tumoren verbessert. Die Schweizer Verbände Health Tech Cluster Switzerland und SVDI berichteten über Trends in der Diagnostik wie Personalisierte Medizin, Digitalisierung und Automatisierung.

Die Zukunft: Schonendere, patientennahe Schnelldiagnostik

Wie die Befragung der Unternehmen am Bodensee und in Baden-Württemberg zeigt, arbeiten diese mit Hochdruck an unterschiedlichen Diagnosemethoden. Dazu gehören Schnelltests zur Vor-Ort-Erkennung einer Blutvergiftung innerhalb weniger Minuten. Zukünftige Tests zielen auch auf schonendere Verfahren. Moderne Techniken wie die Flüssigbiopsie, die die Erkennung von Krebs durch Entnahmen von Blut statt Gewebe erlaubt, sollen für möglichst alle Tumorarten und -stadien anwendbar gemacht werden. Als wichtige Voraussetzungen für Diagnostik-Innovationen wurden von den Firmen genannt: Verfügbarkeit von Patientenproben, gesetzliche Rahmenbedingungen sowie die Abrechenbarkeit und Förderung von Projekten.

Ergebnisse fließen in BioLAGOs Interreg-Projekt „DiagNET“ ein

„Den ermittelten Diagnostikbedarf der Kliniken am Bodensee wollen wir auch in unserem neuen, Interreg-geförderten Projekt ‘DiagNET‘ aufgreifen. Durch Vernetzung mit der Wirtschaft und der Wissenschaft möchten wir die Entwicklung neuer Testverfahren aktiv vorantreiben. Am Ende aber soll die Markteinführung stehen, damit der Nutzen auch beim Patienten ankommt“, erklärt Professor Klaus P. Schäfer, Vorstandsmitglied von BioLAGO. „Mit dem Projekt ‚DiagNeeds‘ haben wir Ideen und Anregungen für neue Diagnoseverfahren geliefert, um die zukünftige medizinische Grundversorgung in ländlichen Regionen zu verbessern“, so Prof. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg.

  • Für eine bessere Krankheitsdiagnostik: Im Projekt „DiagNeeds“ haben der BioLAGO e.V. und die BIOPRO Baden-Württemberg GmbH den Bedarf an neuen Diagnosemethoden von Kliniken erfasst und diese mit Firmen und Forschung vernetzt. © trenzyme GmbH
  • Auf Einladung von BioLAGO und BIOPRO haben 70 Unternehmer, Forscher und Klinikärzte auf der Insel Mainau Lösungsansätze für eine schnellere und präzisere Krankheitsdiagnose diskutiert. © BioLAGO e.V.
  • Gastreferentin Monika Reuschling vom Diagnostik-Branchenführer Roche Diagnostics Schweiz gab Einblicke in neue Testentwicklungen des Unternehmens. © BioLAGO e.V.
  • Das internationale Forum auf der Insel Mainau brachte Mediziner mit Unternehmen und Forschern zusammen und ermöglichte den Austausch. © BioLAGO e.V.

Seiten-Adresse: https://www.bio-pro.de/de/presse/pressemitteilungen/fuer-eine-bessere-krankheitsdiagnostik-biolago-und-biopro-vernetzen-kliniken-mit-unternehmen/