Ziel der Förderung
Die personalisierte Medizin (PM) stellt einen Paradigmenwechsel dar: weg von einem generalisierten Behandlungsansatz für eine Krankheit hin zu einer optimierten Strategie für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten für jedes Individuum, basierend auf seinen einzigartigen Merkmalen. Dazu zählen biologische Merkmale (z. B. Phänotyp, Endotyp, Genotyp) sowie Lebensstil und Umweltfaktoren. Dementsprechend stellt die PM das Individuum in den Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung und zielt auf eine optimierte Gesundheitsvorsorge, Behandlung und Management von (chronischen) Krankheiten. Jüngste Entwicklungen demonstrieren rasante Fortschritte im Bereich der PM. Das Spektrum der verwendeten Technologien, Methoden und Informationen hat sich stark erweitert und unterstützt eine verbesserte Gesundheitsversorgung, Diagnostik und maßgeschneiderte Behandlungen, einschließlich Rehabilitation und Präventionsstrategien.
Die Europäische Partnerschaft für personalisierte Medizin, EP PerMed, folgt der Definition der personalisierten Medizin aus der strategischen Forschungs- und Innovations-Agenda (SRIA)1 des EU-Projektes PerMed, die von der Beratungsgruppe des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020 übernommen wurde. Details können dem englischsprachigen Bekanntmachungstext entnommen werden.
Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen und stellen weltweit eine große Belastung dar (Weltgesundheitsorganisation, WHO). Herz-Kreislauf-Erkrankungen allein sind die häufigste Todesursache und machen etwa ein Drittel aller vorzeitigen Todesfälle weltweit aus. Im Jahr 2021 waren etwa 640 Millionen Menschen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, mehr als 1,2 Milliarden Menschen lebten mit Stoffwechselkrankheiten wie Typ2-Diabetes, nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung und Bluthochdruck und schätzungsweise über 850 Millionen Menschen hatten Nierenerkrankungen. In Europa beläuft sich die wirtschaftliche Belastung durch diese Krankheiten auf mehr als 1 000 Milliarden Euro jährlich.
Ziel der vorliegenden, von der EU kofinanzierten Fördermaßnahme ist es, für die PM im Bereich von Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen innovative Therapieansätze in präklinischen Modellen zu entwickeln, molekulare Marker/Signaturen oder moderne Technologien zur Überwachung des Behandlungserfolgs zu identifizieren oder zu validieren und eine stratifizierende Diagnostik zur Vorhersage des Krankheitsrisikos und des Krankheitsverlaufs zu entwickeln. Das Ziel dieser Maßnahme ist erreicht, wenn am Ende der Förderung für Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Nierenerkrankungen innovative personalisierte Therapieansätze für die Patientinnen- und Patientenversorgung vorliegen, personalisierte diagnostische Ansätze zur Vorhersage des möglichen Ansprechens einzelner Patientinnen und Patienten auf die Behandlung, oder personalisierte Behandlungspfade, einschließlich der Kombination von Behandlungen und der Erforschung der Optimierung einer effektiven Medikamentendosierung, entwickelt sind. Weiterhin soll eine breitere Wissensbasis zu stratifizierenden molekularen Markern/Signaturen geschaffen werden, um ein Krankheitsrisiko frühzeitig vorhersagen und der Verschlechterung einer bereits manifesten Krankheit oder dem Auftreten zusätzlicher Komorbiditäten vorbeugen zu können und um maßgeschneiderte Präventions- oder Behandlungsansätze zu unterstützen. Darüber hinaus sollen die Forschungsergebnisse durch wissenschaftliche Publikationen geteilt werden und eine transnationale und multidisziplinäre Zusammenarbeit oder Sektor-übergreifende Vernetzung von Akteuren erreicht werden. Neben dem Beitrag zu den operativen, spezifischen und globalen Zielen von EP PerMed trägt die Fördermaßnahme im Bereich der Personalisierung von Prävention, Früherkennung und Therapie zur Umsetzung des Rahmenplans Ressortforschung des Bundesministeriums für Gesundheit bei und unterstützt die Ziele des strategischen Forschungsfeldes „Gesundheitsforschung“ der Hightech Agenda Deutschland.
Gegenstand der Förderung
Gefördert werden soll eine begrenzte Anzahl von transnationalen und interdisziplinären Forschungsverbünden. Die im Rahmen dieser Verbünde geförderten Forschungsprojekte sollen innovative PM-Strategien für Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Nierenerkrankungen erforschen. Die Forschungsprojekte müssen sich auf Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Nierenerkrankungen als Hauptursache der Erkrankung konzentrieren. Dabei kann sich ein Projekt auf eine dieser Erkrankungen fokussieren oder diese Erkrankungen in Kombination untersuchen. Von der Förderung ausgenommen sind Forschungsarbeiten, die sich nur auf medikamenteninduzierte Herz- , Stoffwechsel- oder Nierentoxizität konzentrieren.
Zuwendungsempfänger
Antragsberechtigt sind Einrichtungen und Träger, staatliche und nichtstaatliche (Fach-) Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, gemeinnützige Körperschaften (z. B. eingetragene Vereine, Stiftungen und gemeinnützige GmbHs) sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.
Verfahren
Das Förderverfahren ist dreistufig angelegt. Zuerst wird ein zweistufiges internationales Begutachtungsverfahren durchgeführt (pre-proposals / full proposals). Die deutschen Projektpartner der ausgewählten transnationalen Konsortien werden dann in einer dritten Stufe zum Einreichen förmlicher Förderanträge aufgefordert. Sowohl für die Projektskizzen (pre-proposals) als auch für die ausführlichen Projektbeschreibungen (full proposals) ist ein einziges gemeinsames Dokument von den Projektpartnern eines transnationalen Konsortiums zu erstellen.
In der ersten Verfahrensstufe sind dem EP PerMed Joint Call Secretariat (JCS) bis spätestens 10. Februar 2026 zunächst Projektskizzen in elektronischer Form vorzulegen.