Rückblick MTZ-BIOPRO Schülerpreis 2014

Zwölf Absolventen Biotechnologischer Gymnasien erhielten am 18. September 2014 Einblick in zwei typische Arbeitsumfelder von Lebenswissenschaftlern. Sie besuchten das Diagnostikunternehmen CeGaT GmbH und das Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen in Tübingen. Die Unternehmens- und Institutsführungen waren Bestandteil des MTZ-BIOPRO Schülerpreises, welcher jährlich an die besten baden-württembergischen Abiturienten im Profilfach Biotechnologie verliehen wird.

"CeGaT - von der Gründung bis heute" präsentiert von Dr. Dirk Biskup. © BIOPRO

Nach einem ersten Kennenlernen in den Geschäftsräumen der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH in Stuttgart wurden die Schülerpreisgewinner in Tübingen bei der CeGaT GmbH von Dr. Dirk Biskup begrüßt. Gemeinsam mit Dr. Dr. Saskia Biskup gründete er 2009 das Diagnostik- und Sequenzierungsunternehmen mit Blick auf die Schwäbische Alb. Wo vor fünf Jahren zwei Personen, nämlich das Ehepaar selbst, mit der Sequenzierung und Auswertung von drei Proben begannen, sind heute 80 Mitarbeiter mit jährlich rund 4000 Proben beschäftigt. 2014 bietet CeGaT nicht nur diagnostische Dienstleistungen zur Aufklärung vorliegender erblicher Erkrankungen an, sondern ist auch in den Bereichen Tumordiagnostik und Pharmakogenetik aktiv. 

Auf die Frage der Absolventen, was das Paar zur Gründung bewegte, nannte Dr. Biskup an erster Stelle Interesse. Das, sowie der große Erfolg des Unternehmens, bestärkt die Geschäftsführer auch weiterhin das Thema Gründung anzugehen. So gründete CeGaT gemeinsam mit drei Tübinger Professoren erst kürzlich die CeMeT GmbH. Schwerpunkt des neugegründeten Unternehmens ist die Bestimmung, Analyse und Bewertung des Metagenoms für humanmedizinische, zahnmedizinische und veterinärmedizinische Fragestellungen.

Stets zu hinterfragen, einzig aus Routine beibehaltene Vorgehensweisen nicht zu akzeptieren, war der abschließende Rat Dr. Biskups an die jungen Frauen und Männer in Hinblick auf ihre bevorstehende Karriere.

Das Gold liegt im Keller

Sequenziermaschinen bei CeGaT GmbH. © BIOPRO

Dr. Claudia Durand, Projektmanagerin bei CeGaT, stieg bei ihrer anschließenden Präsentation tiefer in Materie ein und war manches Mal überrascht, wie viel Fachwissen die Schülerpreisgewinner mitbrachten. Neben wissenschaftlichen wurden aber auch betriebswirtschaftliche Fragen gestellt. Denn bei einem hochtechnologischen Unternehmen wie CeGaT liegt der Wert nicht nur beim Know-How der Mitarbeiter. Das eigentliche Anlagenkapital der Firma befindet sich in den unteren Etagen des neuen Gebäudes, die den Preisträgern bei einer Führung ebenfalls gezeigt wurden. Mit den hochmodernen Maschinen ist die parallele Sequenzierung einer Vielzahl von Kandidatengenen für eine bestimmte Erkrankung möglich. Im Falle der Epilepsie werden beispielsweise 413 Gene parallel analysiert. Zwischen 500 Euro und 5000 Euro kostet die Entschlüsselung von Erbinformationen und die medizinische Interpretation der Daten. Für den gesamten Vorgang mit abschließendem Ergebnis benötigt CeGaT zwei bis vier Monate.

Arabidopsis thaliana - Modellorganismus der Pflanzenforscher

Dr. Kilian (r.) mit den MTZ-BIOPRO Schülerpreisgewinnern in der Analytik. © BIOPRO

Im Anschluß erhielten die Preisträger Einblick in die Arbeit an einem wissenschaftlichen Institut. Am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) wurde die Gruppe von Dr. Joachim Kilian und Bettina Stadelhofer begrüßt und durch das 2013 fertiggestellte Gebäude geführt. Außen erinnern vertikale Bauelemente an Zweige und Halme von Pflanzen, innen verteilen sich über sechs Etagen die Allgemeine Genetik, Pflanzenbiochemie, Entwicklungs- und Pflanzengenetik, Zelluläre Nanowissenschaften, Pflanzenphysiologie und Werkstätte. 90 Prozent der Arbeit am ZMBP dient reinen Forschungszwecken.

Die Schüler erhielten Einblick in die Labore und bestaunten die Klimakammern, die sich auf jeder Etage befinden, jedes Klima simulieren können und so perfekte Bedingungen für allerlei Pflanzenarten schaffen. Darin zu finden ist auch die Acker-Schmalwand, durch ihre Genügsamkeit und das kleine Genom ist die heimische Pflanze eines der beliebtesten Testobjekte der Pflanzenforscher.

Dr. Eric Melzer stellt seine Forschungsarbeit am ZMBP vor. © BIOPRO

Dr. Eric Melzer, Postdoc am ZMBP, gab neben einem Einblick in seine Forschung zu Grundlagen der pflanzlichen Immunität auch persönliche Auskunft über das Berufsbild des Biologen. Sein Interesse an der Forschung bleibt groß, das Ausprobieren und Wissen wollen, wie die Dinge funktionieren - auch wenn sich die gewünschten Ergebnisse nicht immer sofort einstellen.

Ebenfalls machte er auf das befristete Arbeitsverhältnis an Universitäten aufmerksam. Eine befristete Beschäftigung von wissenschaftlich tätigem Personal ist auf eine Höchstdauer von zwölf Jahren (sogenannte Qualifizierungsphase) begrenzt. Wer danach an (s)einer Universität bleiben möchte, sollte rechtzeitig eine Professur anstreben oder sich um eine Entfristung durch Drittmittelfinanzierung bemühen. Der Weg dorthin ist nicht leicht, da sich die zwölf Jahre aus vielen Zeitverträgen zusammensetzen können und so stets die Ungewissheit bleibt, wie es danach weiter gehen wird.

Zurück am Hauptbahnhof in Stuttgart verteilten sich die angehenden Studentinnen und Studenten am Abend in alle Richtungen Baden-Württembergs und nahmen viele spannenden Eindrücke aus Forschung und Entwicklung mit. Noch stehen sie am Anfang ihrer beruflichen Karriere, aber vielleicht haben die Impressionen des Tages die ein oder andere berufliche Entscheidung beeinflußt.

Die Zukunft vor der Tür: (hinten v. l.) Aline Reuter, Sarah Feierabend, Rebecca Jansche, Steffen Keller, Felix Rieger, Max Myländer; (vordere Reihe) Sabrina Borusak, Theresa Sophie Klostermann, Ann Kathrin Hölz, Elena Bühler, Tobias Birk, Dominik Kato. © BIOPRO
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