Innovation trifft Nachhaltigkeit

Wie gemacht für eine Beteiligung der BIOPRO Baden-Württemberg war das Motto des Karlsplatzes "Innovation trifft Nachhaltigkeit" am Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart. Mit den Themen "Bioökonomie" und "Tierersatzversuche", "Impfstoff-Forschung" und "Nervenleitschiene" begeisterte die BIOPRO das Publikum.

E-Bikes, car2go oder der 3-Löwen-Takt - mit diesen Beispielen für nachhaltige Mobilität konnten einige der Aussteller auf dem Karlsplatz punkten. Viele Besucher, von Klein bis Groß, hatten aber Lust, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen.

Biotech-Forschung für die Gesundheit der Menschen

Schon die Kleinsten begeisterten sich für den Blick aufs Kleinste. Die Miniforscher waren sichtlich beeindruckt von den Zecken, die sie durchs Mikroskop betrachten konnten. © BIOPRO/bjo

So blickten viele mit Spannung durch die Mikroskope, die vor dem Zelt der BIOPRO Baden-Württemberg standen. Die große Preisfrage war: Was ist das? Ein Käfer? Nein! Eine Spinne? Fast... Einige kleine Forscher erkannten sie auch auf Anhieb - die Zecke! Als Tierchen nicht gerade ein Sympathieträger, ist sie dennoch interessant. Und interessant ist auch, woran Forscher aus Freiburg und Heidelberg derzeit arbeiten: Einem Impfstoff, der vor Infektionen mit Borreliose schützen soll. Noch ist dieser leider erst in der klinischen Erprobung und nicht am Markt zugelassen, aber die Hoffnung vieler Menschen ruht auf dieser Forschung. 

Ein anderes Beispiel der Ausstellung zeigt ein Projekt des ITV Denkendorf. Gemeinsam mit Partnern haben die Forscher versucht, die Regenerationsfähigkeit von Nerven zu unterstützen und ihnen den Weg zum Zielmuskel zu zeigen. Sie experimentierten mit verschiedenen Querschnittsprofilen, bis sie die perfekte Nervenleitschiene gefunden hatten: Sternförmige, winzige "Kunststofffäden" bringen die Nerven dazu, dass sie nach Verletzungen wieder zielgerichtet zum Muskel hin wachsen. So können bei Verletzungen im peripheren Bereich, zum Beispiel an der Hand, Nerven dazu gebracht werden, den Muskel wieder anzusteuern und damit seine Funktion wieder herzustellen. Denn ohne Nervenimpulse verliert der Muskel seine Funktionsfähigkeit.

Tierersatzversuche

Großes Interesse fanden auch die Themen "Weniger Tierversuche für Medikamententests - ein Zellmodell für den Darm", ein Projekt der Hochschule Esslingen und "Künstliche Haut für Chemikalientests" vom Fraunhofer IGB in Stuttgart. Beides sind inzwischen behördlich zugelassene Tests, die helfen, dass neue Wirkstoffe nicht mehr an Tieren getestet werden müssen. Die künstliche Haut wird zur Testung von Chemikalien und Kosmetika eingesetzt, das Darmmodell kann dagegen den Übertritt von Nährstoffen oder Medikamenten an der Darmwand - die wichtigste Aufnahmestelle für beide - messbar machen.

Mit den beiden Beispielen für Zellmodelle, die als Ersatz für Tierversuche zugelassen sind, zeigen Forscher aus Baden-Württemberg, wozu Biotechnologie heute schon in der Lage ist. © BIOPRO/bjo

Bioökonomie

Oben rechts im Bild ist sie zu sehen, der heimliche Star am Bioökonomie-Himmel. Die Rizinuspflanze produziert Samenkapseln, aus denen sich ein Öl gewinnen lässt. Dieses Öl ist Ausgangsbasis für ein teilbiobasiertes Polyamid, aus dem zum Beispiel Dübel der Firma Fischer hergestellt werden. © BIOPRO/bjo

Mit zwei Themen zeigte die BIOPRO, wie die Welt nach dem Erdöl aussehen kann. Hightech-Kunststoffe auf Basis von Holz bzw. Lignin, einem Holzbestandteil (Tecnaro) oder auf Basis von Rizinusöl zeigen, dass nachwachsende Rohstoffe nicht nur keine Nachteile für moderne Werkstoffe haben, sondern sogar Vorteile aufweisen. Die ligninbasierten Werkstoffe der Firma Tecnaro vereinen die Klangeigenschaften von Holz mit den Herstellungsprozessen von Formteilen durch herkömmliche Maschinen. Flötenköpfe, die über Spritzgussverfahren hergestellt werden, können über die Beimischung von Farbpartikeln sehr bunt und ansprechend aussehen, in Serie produziert werden und haben sich dennoch die Klangeigenschaften von Holzflöten bewahrt.

Ein anderes Beispiel ist ein kleiner Alltagshelfer, der Dübel. Kein Regal hält ohne ihn in der Wand, kein Haushalt kommt ohne ihn aus. Und die neue Dübelgeneration ist nun zur Hälfte aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt, die andere Hälfte ist erdölbasiert. Aber löst sich der Dübel dann irgendwann in der Wand auf und wird zur Hälfte biologisch abgebaut? Beileibe nicht, die Stablilät ist in vollem Umfang gegeben, denn biobasiert heißt nicht bioabbaubar. Beide Eigenschaften lassen sich bei den biobasierten Werkstoffen, je nach Wunsch des Anwenders, inzwischen gezielt einstellen und hängen eher von der Art der Polymerisation als von der Herkunft des Rohstoffes ab.

Großer Andrang im Zelt der BIOPRO Baden-Württemberg auf dem Karlsplatz anlässlich des Tags der Deutschen Einheit. © BIOPRO/bjo
Seiten-Adresse: https://www.bio-pro.de/de/presse/pressemitteilungen/innovation-trifft-nachhaltigkeit/