„Industrie-in-Klinik-Plattformen“ - Informationen zur Fördermaßnahme

Durch die neue Fördermaßnahme „Industrie-in-Klinik-Plattformen“ des BMBF soll die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Kliniken bei der Entwicklung von an den klinischen Versorgungsbedarf angepassten Medizinprodukten gefördert werden. Eine gemeinsame Informationsveranstaltung der BIOPRO Baden-Württemberg und des Projektträgers VDI Technologiezentrum informierte ausführlich über Ziele, Chancen und Aufbau der Fördermaßnahme. Im Rahmen der Richtlinie bietet die BIOPRO an, Kliniken und Unternehmen bei der Suche nach potenziellen Projektpartnern zu unterstützen - durch die Veröffentlichung eines anonymen Projektprofils auf der BIOPRO-Homepage.

Eine Handlungsempfehlung zur Umsetzung des 2011 gestarteten nationalen Strategieprozesses „Innovationen in der Medizintechnik" ist, die Innovationskraft der medizintechnischen Forschung zu stärken. In diesem Rahmen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) kürzlich die Förderrichtlinie „Industrie-in-Klinik-Plattformen“ veröffentlicht, mit welcher die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Kliniken bei der Entwicklung von an den klinischen Versorgungsbedarf angepassten Medizinprodukten gefördert werden soll. Im Fokus der Fördermaßnahme stehen Kliniken und Krankenhäuser, Medizintechnik-Unternehmen sowie Investoren.

Projektträger der Maßnahme ist die VDI Technologiezentrum GmbH, die seit Ende 2012 Projektträger der Gesundheitswirtschaft im BMBF und Ansprechpartner für die Forschungsförderung in den Bereichen Medizintechnik, regenerative und individualisierte Medizin sowie gesundheitsbezogene Dienstleistungen ist.

Um die verschiedenen Akteure in Baden-Württemberg auf die, für den Medizintechnik-Standort Baden-Württemberg sehr interessante Fördermaßnahme aufmerksam zu machen und zu informieren, organisierte die BIOPRO Baden-Württemberg GmbH gemeinsam mit dem Projektträger VDI Technologiezentrum eine Informationsveranstaltung zur Förderrichtlinie. Am 20. August 2014 folgten rund 50 Interessenten, vorwiegend aus Kliniken und Unternehmen, der Einladung ins Suttgarter GENO-Haus.

Die Teilnehmer hatten im Anschluss an die Vorstellung der Fördermaßnahme die Möglichkeit, in einer gemeinsamen, zwanzigminütigen Diskussionsrunde allgemeine Fragen zu klären und in darauffolgenden bilateralen Gesprächen spezielle Sachverhalte und konkrete Projektvorhaben mit den beiden Ansprechpartnern des VDI zu besprechen. Die Nachfrage nach den Individualgesprächen war sehr groß.

BIOPRO unterstützt bei der Suche nach Projektpartnern

Ungefähr 50 interessierte Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung im GENO-Haus in Stuttgart teil, die Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, eröffnete. © BIOPRO

Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, eröffnete die Veranstaltung und stellte das Unterstützungsangebot der BIOPRO Baden-Württemberg für Kliniken und Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg vor: Diese können über die Homepage der BIOPRO ein anonymes Projektprofil veröffentlichen, um Projektpartner zu finden. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter dem Link rechts. Im Anschluss daran stellte Dr. Oliver Bujok, Leiter der VDI-Geschäftsstelle in Berlin, die Fördermaßnahme ausführlich vor.

Innovative Medizintechnik durch enge Kooperation von Kliniken und Unternehmen

In seinem Vortrag erläuterte Dr. Oliver Bujok zunächst die Motivation für die Veröffentlichung der Fördermaßnahme: Auf Grundlage der Neuausrichtung des nationalen Strategieprozesses sollen durch die Förderrichtlinie Kooperationsplattformen insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) im klinischen Umfeld geschaffen werden, um diesen den direkten Zugriff auf Kliniker und deren fachliche Expertise für die bedarfsorientierte Entwicklung innovativer Medizinprodukte zu ermöglichen. Die angestrebte enge Kooperation von Kliniken und Unternehmen soll das Rückgrat für eine innovative Medizintechnik bilden. Aufgrund der oftmals hohen Arbeitsbelastung der Mediziner in der Patientenversorgung ist es nötig, die Industrie in die Klinik zu bringen und die Kooperationsplattformen im direkten klinischen Umfeld anzusiedeln.

Für Medizintechnik-Unternehmen ergeben sich durch solche Plattformkonzepte laut Dr. Bujok unter anderem Vorteile durch eine verstärkt bedarfsorientierte Ausrichtung der Projektideen und den verbesserten Kontakt zu Ärzten und Klinikpersonal. Zudem können die Produktentwicklungen direkt hinsichtlich ihres Anwender- und Patientennutzens optimiert werden. Die Kliniken können durch die Kooperationen wiederum ihre eigenen Versorgungsabläufe gezielt optimieren oder erweitern, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes verbessern sowie die Attraktivität der Klinik als Arbeitgeber sowie als spezifisches Kompetenzzentrum steigern.

Die Betreibergesellschaft als Brückenkopf in die Industrie

Dr. Oliver Bujok von der VDI Technologiezentrum GmbH erläuterte ausführlich die Funktion von Kooperationsplattformen, die insbesondere KMU die Suche nach für eine Kooperation infrage kommenden Kliniken erleichtern sollen. © BIOPRO

Weiterhin erklärte Bujok, dass die Industrie-in-Klinik-Plattformen idealerweise ein nachhaltiges und offenes Dienstleistungsangebot darstellen sollten, das von möglichst vielen Medizintechnik-Unternehmen im Rahmen der Produktentwicklung genutzt werden kann und auch über die Förderphase hinaus Bestand hat. Aufgebaut werden kann eine solche Plattform durch den Zusammenschluss von Kliniken, Unternehmen und/oder Investoren. Essenziell notwendig hierfür sei die Gründung einer Betreibergesellschaft als eigenständige Rechtsperson mit professionellem Management, die sich als Brückenkopf in die Industrie versteht. Hier sei es wünschenswert, dass sich dabei vor allem der Klinikpartner als Gesellschafter miteinbringt.

Für den Aufbau einer solchen Plattform sind mehrere Modelle denkbar, so Bujok. Der „Inkubator“ richtet sich beispielsweise an Gründer oder Start-ups, die durch die Plattform ihre Produktideen frühzeitig auf die Versorgungsrelevanz testen können und operative Unterstützung sowie Mentoring erhalten. Beim Konzept des „Akzelerators“ stehen junge und kleine Unternehmen und die beschleunigte Produktentwicklung im klinischen Umfeld im Fokus. Das „Integrator“-Modell wiederum zielt darauf ab, etablierte KMUs längerfristig im Klinikumfeld anzusiedeln, um diesen dadurch den Zugang zu präklinischer und klinischer Expertise zu erleichtern. Auch Mischformen der Modelle sind als Konzeptideen möglich.

Anschließend erläuterte Bujok die einzelnen Phasen und Prüfkriterien der Fördermaßnahme. Diese ist in zwei Phasen, die Konzeptions- und die Erprobungsphase, eingeteilt. In der sechsmonatigen Konzeptionsphase sollen unter Beteiligung der teilnehmenden Partner mit Hilfe der Zuwendung von 75.000 Euro konkrete Konzepte für Industrie-in-Klinik-Plattformen entwickelt werden. Die Partner können sich zusammensetzen aus: eine Klinik und mindestens ein Wirtschaftsunternehmen oder eine Klinik beziehungsweise ein Unternehmen in Kombination mit LOIs der jeweils anderen Seite.

Aus den eingereichten Konzepten werden schließlich geeignete Plattformen für eine Förderung in der Erprobungsphase ausgewählt. Diese zielt darauf ab, innerhalb einer Laufzeit von drei Jahren mit Hilfe der jeweils anteiligen Förderung die entsprechenden Infrastrukturen aufzubauen und erste Modellprojekte auf der Plattform zu erproben. Bujok wies außerdem darauf hin, dass es in jedem Fall von Vorteil sei, bereits im Vorfeld der Antragstellung für die Erprobungsphase eine Betreibergesellschaft zu gründen.

Große Nachfrage nach bilateralen Gesprächen mit dem Projektträger

Nach den Informationspräsentationen gab es reichlich Zeit, alle noch unbeantworteten Fragen seitens der Teilnehmer zu klären. © BIOPRO

An die Präsentation der Fördermaßnahme schloss sich eine zwanzigminütige Fragerunde an. Die an Dr. Bujok und seinen Kollegen Dr. Hothan gestellten Fragen bezogen sich auf die genauen Vorgaben zu Projektskizze und Betreibergesellschaft sowie mögliche Mindestfördersummen und die Förderquote, aber auch auf den Fokus der Fördermaßnahme und die Nachhaltigkeit der Plattformen. So konnte geklärt werden, dass für die Erstellung und Einreichung der Konzeptskizze ab Anfang September ein Template zur Verfügung stehen wird. Grundsätzlich soll die Konzeptskizze einen Umfang von etwa fünf Seiten umfassen.

Zur Frage nach der Rechtsform der Betreibergesellschaft erklärten die beiden Vertreter des Projektträgers, dass diese vorzugsweise als GmbH gegründet werden sollte. Diese sollte gewinnorientiert arbeiten, weshalb die Rechtsform einer gGmbH nicht unbedingt passend sei. Ein Joint Venture zwischen Klinik und Unternehmen wäre hier sicherlich von Vorteil, da hierdurch die Klinik auch finanziell am Projekterfolg beteiligt wäre und dadurch die Motivation zur Beteiligung an der Plattform und den Modellvorhaben höher sei, so Bujok. Zudem sind die Betreibergesellschaften prinzipiell förderfähig. Eher problematisch sieht der Projektträger hingegen die Beteiligung von öffentlichen bzw. halböffentlichen Partnern, wie beispielsweise Bioregionen, im Management der Betreibergesellschaft. Dadurch könnte die Plattform zu sehr Netzwerkcharakter bekommen, was hier aufgrund der Gewinnorientierung nicht zielführend sei.

Eine Mindestfördersumme oder maximale Förderquote in der Erprobungsphase sei nicht festgelegt, klärten die beiden Referenten auf. Die Fördersumme richte sich nach dem jeweiligen Businessplan des eingereichten Projektvorhabens, in dem klar dargelegt werden muss, was angeboten und wie viel dafür benötigt wird.

Hothan und Bujok verdeutlichten außerdem, dass der Fokus der Plattformen auf den Produkten liegen sollte, die Plattform aber in jedem Fall dazu beitragen soll, diese Produkte nachhaltig und bedarfsorientiert auf den Markt zu bringen. Der Fokus hänge zudem auch vom gewählten Modell der Plattform ab. Beim Inkubator liege der Schwerpunkt beispielsweise eher beim Mentoring der Start-up-Unternehmen. Wichtig war den beiden, dass ein Konzept für ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickelt werden soll, welches eine offene Struktur besitzt. Das heißt, dass die Plattform auch von möglichst vielen anderen Firmen genutzt werden kann, die nicht Teil der Betreibergesellschaft sind.

Der Projektträger äußerte, dass grundlegende Fragen zum Förderprogramm sowie Diskussionsbedarf zu konkreten Konzeptideen bis vier Wochen vor der Vorlagefrist der Konzeptskizzen (30. November 2014) abgeschlossen sein sollten.

Seiten-Adresse: https://www.bio-pro.de/de/presse/pressemitteilungen/industrie-in-klinik-plattformen-informationen-zur-foerdermassnahme/