Rückblick: Meet & Match Smart Implants – New Devices and Innovative Technologies

Beim Meet & Match zum Thema „Smart Implants – New Devices and Innovative Technologies“ trafen sich am 5. Juli 2016 rund 70 Teilnehmer aus dem Elsass und Baden-Württemberg in Straßburg. Interessante Vorträge von Unternehmen und Forschungseinrichtungen ermöglichten einen Einblick in die aktuellen Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung. In den Netzwerkpausen wurden neue Kontakte geknüpft und intensiv diskutiert. Das Meet & Match wurde von der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH gemeinsam mit ihrem französischen Partnercluster Alsace BioValley durchgeführt.

Interessante Vorträge lockten rund 70 Teilnehmer zum Meet & Match nach Straßburg. © BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

Innovationen durch Smart Implants bieten großes Potenzial für die Medizintechnik. Dies zeigte auch das 12. gemeinsame Meet & Match der BIOPRO Baden-Württemberg und Alsace BioValley, das auf sehr großes Interesse stieß und mit rund 70 Teilnehmern aus dem Elsass und Baden-Württemberg ausgebucht war. Im Fokus der Veranstaltung standen neuartige intelligente Implantate sowie innovative Technologien und Verfahren zu deren Funktionalisierung.

Nachdem die Veranstaltung von Agnès Legoll (Alsace BioValley) und Caroline Ref (BIOPRO Baden-Württemberg) mit den Grußworten eröffnet wurde, folgte der erste Vortrag von Dr. Nicolas Sananes vom Forschungsinstitut UMR-S 1121 INSERM "Biomatériaux et Bioingénierie".

Sananes entwickelt das Verfahren „Fetal endoscopic tracheal occlusion“ (FETO), welches bei Ungeborenen mit Zwerchfellhernie Anwendung findet. Bei dieser gelangen durch Läsionen im Zwerchfell Bauchorgane in die Brusthöhle, wodurch die weitere Entwicklung eingeschränkt ist. Durch ein neuartiges Ballondevice, das in utero bis vor der Entbindung in die Luftröhre des Kindes platziert und aufgeblasen wird, soll der Fehlbildung gegengesteuert werden.

Den zweiten Vortrag hielt Prof. Dr. Burkhard Schlosshauer vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) an der Universität Tübingen, der seine Arbeiten und Forschungsergebnisse im Bereich der Biofunktionalisierung von vaskulären Prothesen vorstellte. In seinem Projekt sollen Abwehrreaktionen gegen vaskuläre Prothesen und Risiken durch Stents vermindert werden. Dafür werden bestimmte Antikörper an den Stent gebunden, die Endothelvorläuferzellen binden, welche anschließend das Lumen mit einer neuen Schicht Endothel auskleiden und so wieder eine natürliche Umgebung schaffen.

Glossar

  • Insulin ist ein Hormon, das in den ß-Zellen der Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und die Senkung des Blutzuckerspiegels bewirkt. Zuckerkranken (Diabetikern) fehlt dieses Hormon.
  • Aufgabe der Life Sciences ist die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen auf Basis der modernen Biotechnologie.
  • Lytisch zu sein ist die Eigenschaft eines Bakteriophagen, seine Wirtszelle bei der Infektion zu zerstören.
  • Mit Nanotechnik ist Forschung und Technologieentwicklung auf der atomaren Ebene in einer Größenordnung von einem bis einhundert Nanometern gemeint. Sie hat zum Ziel, Strukturen, Geräte und Systeme zu schaffen und zu nutzen, die aufgrund ihrer geringen Größe neue Eigenschaften und Funktionen besitzen.
  • Pankreas ist ein anderer Begriff für Bauchspeicheldrüse. Diese quer im Oberbauch liegende Drüse produziert zum einen bestimmte Verdauungsenzyme, die in den Dünndarm abgegeben werden und zum anderen verschiedene Hormone, wie Insulin und Glucagon, die von dort aus in den Blutkreislauf gelangen.
  • Wachstumsfaktoren sind Proteine, die die Vermehrung und die Differenzierung von spezifischen Zelltypen und Geweben eines Organismus anregen.
  • Als Endothelzellen werden die Zellen der inneren Wand von Lymph- und Blutgefäßen bezeichnet. Sie bilden eine regulierbare semi-permeable Barriere zwischen Gefäßlumen und Gewebe.

Short Presentations als Einstieg ins Networking

In den Pausen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit sich zu vernetzen. © BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

Viele Teilnehmer der Veranstaltung nutzten die Möglichkeit, sich und ihr Unternehmen oder Forschungsinstitut in der Short Presentation Session in drei bis vier Minuten vorzustellen. In dieser Kurzpräsentation konnten sie zeigen, an welchen Themen sie interessiert und wo Kooperationen erwünscht sind. In der anschließenden Mittagspause war es dadurch leichter, einen passenden Gesprächspartner zu finden, um mögliche Kooperationen anzusprechen. Mit Erfolg – es wurden viele intensive Diskussionen geführt. Gute Voraussetzungen also, sich zu vernetzen.

Um ein Mimikry einer Knochenoberfläche ging es nach der Mittagspause im Vortrag von Dr. Dietmar Schaffarczyk, Geschäftsführer der stimOS GmbH. Ist das Implantatmaterial oder die -oberfläche nicht an das aufnehmende Gewebe angepasst, kann dies aus verschiedenen Gründen zu Implantatversagen mit der Konsequenz einer erneuten Operation und eines Austauschs führen.
Schaffarczyk stellte eine neuartige Beschichtung von Knochenimplantaten vor, die von stimOS entwickelt wird und zu einer verbesserten Osseointegration führt. Im Vergleich zu bereits verfügbaren Beschichtungen bietet die auf Gelatin-Hydroxyapatit basierende Beschichtung verschiedene Vorteile wie kovalente Anbindung, keine Abrieberscheinungen, einstellbare Schichtdicke (ab wenigen Nanometern) bei Erhalt der Implantatstrukturen, besseres Anhaftungsverhalten von Knochenzellen und schafft eine knochenidentische Implantat-Knochen-Schnittstelle.

Prof. Dr. Adèle Carrado vom Institute de Physique et Chimie des Matériaux de Strasbourg (IPCMS) behandelte in ihrem Vortrag ebenfalls Ergebnisse auf dem Bereich der Interaktion von gesundem Knochengewebe und Implantaten. Ein am Implantat kovalent gebundener Interlayer, welcher durch alkalische Lyse erzeugt wird und als Hilfsbeschichtung dient, sorgt für eine bessere Anhaftung des äußeren keramischen Hydroxyapatits, welches mit einem Sol-Gel-Prozess angebracht wird. Dadurch wird eine erhöhte Stabilität des Hydroxyapatits erreicht.

Im Anschluss gaben Charles-Thibault Burcez von Defymed und Dr. Dietmar Schaffarczyk den Teilnehmern der Veranstaltung eine Übersicht über die neue EU-Medizinprodukteverordnung, welche voraussichtlich rechtswirksam Ende 2016 oder Anfang 2017 in Kraft treten soll. Das von Defymed entwickelte bioartifizielle Pankreasimplantat MAILPAN®, ein von einer semipermeablen Membran geschütztes Zellimplantat zur dynamischen Freisetzung von Insulin und damit ein Kombinationsprodukt, stellte ein Fallbeispiel dar, anhand dessen die Auswirkungen der neuen Verordnung beispielhaft dargestellt wurden. Schaffarczyk seinerseits übertrug die gesetzlichen Vorschriften auf den Bereich der von ihm vorgestellten Beschichtung von Implantaten. Tenor: Trotz Übergangsfristen von drei Jahren sollten sich Unternehmen frühzeitig mit der neuen Verordnung und deren Auswirkung auf ihre Produkte und Produktzertifizierungen beschäftigen. Insbesondere sind unter anderem höhere Klassifizierungen verschiedener Produkte der Klasse IIb, ein erhöhter Dokumentationsaufwand und gegebenenfalls Denotifizierung Benannter Stellen zu erwarten. Anpassungen aller Zertifizierungsdokumente an die neue Verordnung sind erforderlich, um bis zum Ende der Übergangsfrist Konformität mit der neuen Verordnung zu erreichen und somit den Marktzugang zu erhalten. Auch die Einführung einer eindeutigen Produktidentifizierungsnummer (UDI) ist geplant.
Schaffarczyk, der neben stimOS auch Geschäftsführer einer regulatorischen Beratungsgesellschaft ist, erläuterte ebenso, dass Oberflächenfunktionalisierung eines Medizinproduktes zu einer Einstufung in Risikoklasse III und eine bestimmte Oberflächenaktivierungen wie Drug Eluting Surfaces sogar zu einer Einstufung als Kombinationsprodukt führen kann.

Es folgte Dr. Engin Vrana von PROTiP Medica, der die Entwicklung des Produktes NewBreez® vorstellte. Es handelt sich dabei um ein Implantat, welches bei Dysfunktionalität des Larynx (zum Beispiel bei Kehlkopfkrebs) in diesen eingeführt wird. Dabei ist das normale Atmen, Essen und sogar Stoßatmen (Husten) wieder ohne Probleme mit dem Implantat möglich.

Ein innovatives Medizinprodukt zur dynamischen Blutdrucksenkung, Baroloop, stellte Dr. Dennis Plachta vom Start-up neuroloop GmbH vor. Durch Stimulation bestimmter Fasern des Vagusnervs soll das closed-loop-Implantat bei Patienten mit refraktärem Bluthochdruck zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Mit Großtieruntersuchungen soll in diesem Jahr gestartet werden.

Dr. Nadia Benkirane-Jessel der Unité de recherche1109 „Osteoarticular and Dental Regenerative NanoMedicine“ des Forschungsinstituts INSERM, Strasbourg, stellte eine Nanotechnologie vor, mit der zukünftig das Zusammenwachsen von Knochen- und Knorpelmaterial beschleunigt werden kann. Auch durch kontrollierte Freisetzung bestimmter Wachstumsfaktoren aus den patentierten Nanoreservoirs kann das Einwachsen des Implantats beschleunigt werden.

In der Kaffeepause und bei einem abschließenden Get-together hatten die Teilnehmer erneut die Möglichkeit, Gespräche zu führen und sich zu vernetzen, was intensiv genutzt wurde. Anregende Fragen jeweils nach den Vorträgen, sowie die ausgiebigen Gespräche in den Pausen dokumentierten deutlich, wie interdisziplinär die zukünftigen Trends im Bereich der Smart Implants sind und somit auch die Notwendigkeit von Kooperationen. Für die Teilnehmer war die Veranstaltung hierfür ein guter Start und Impulsgeber.


Partner der Veranstaltung war das französische Materialcluster Materalia, außerdem unterstützte microTEC Südwest die Veranstaltung als Marketingpartner.

Informationen zu künftigen Meet & Match Veranstaltungen und weiteren Events der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH erhalten Sie über die Veranstaltungsankündigungen oder über den Newsletter. Für Themenvorschläge ist die BIOPRO jederzeit offen: Sollten Sie ein spannendes Thema für ein Meet & Match Event im Bereich der Life Sciences haben, senden Sie Ihre Vorschläge an hinkelmann(at)bio-pro.de.

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