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Richtlinie zur Förderung von bürgerwissenschaftlichen Vorhaben

Art:
Förderprogramm
Einreichungsfrist:
Förderung durch:
BMBF
Reichweite:
Deutschland

Bürgerforschung ist für alle offen, sie wendet sich an Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen Alters, Geschlechts, sozialer Herkunft sowie unterschiedlicher Wissensexpertise. Sie ermöglicht der Zivilgesellschaft an Wissenschaft ­teilzunehmen, neue wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln und spezielles Wissen und neue Impulse in die Wissenschaft zu tragen. Ziel ist es, den Wissenstransfer zwischen Forschung und Gesellschaft weiter zu stärken, um somit einerseits die Wissenschaftsmündigkeit der Bürger zu fördern und anderseits Wissen und Impulse für ­Forschung und Entwicklung zu generieren. Weiterhin soll durch eine gezielte Förderung der Zusammenarbeit und Vernetzung von Bürgern mit Forschungseinrichtungen, Bürgerforschung dauerhaft in Gesellschaft und Wissenschaft verankert werden.

Mit der vorliegenden Richtlinie sollen Vorhaben gefördert werden, bei denen die organisierte Zivilgesellschaft als Projektbeitragende, Mitforschende oder als Projektleiterin zusammen mit Hochschulen oder außeruniversitären ­Forschungseinrichtungen neues Wissen, neue Technologien oder neue Ansätze zu bereits existierenden technischen und sozialen Innovationen entwickelt. Hierzu gehören auch Projekte von gesellschaftlichen Akteuren, die sich einer bestehenden forschungsnahen Community zugehörig fühlen, wie beispielsweise der Maker-Bewegung.

Ziel der Förderung im Sinne dieser Richtlinie ist es, die Zusammenarbeit von nichtstaatlichen Organisationen mit Schwerpunkten in der Wissensgenerierung und Vermittlung (z. B. Initiativen, Vereine, Verbände, Stiftungen) und ­wissenschaftlichen Einrichtungen anzuregen, Kapazitäten besser zu nutzen, Synergieeffekte zu erzielen und bei der Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen den Wissenstransfer zu beschleunigen. Verbundprojekte ­können nur dann Erfolg haben, wenn alle Verbundpartner ihre Erfahrungen, Kenntnisse und spezifischen Ressourcen in die Kooperation einbringen. Die intensive Zusammenarbeit ist Grundlage dafür, dass die Forschungsfrage(n) ­arbeitsteilig bearbeitet werden können.

Gefördert werden Vorhaben, die sowohl fachlich in ihrem Wissensgebiet als auch methodisch im Bereich der Bürgerforschung einen Erkenntnisgewinn und eine Weiterentwicklung darstellen. Weiterhin soll durch die Förderrichtlinie die Verankerung und Vernetzung von Akteuren im bürgerwissenschaftlichen Bereich gestärkt werden.

Im Rahmen der Förderrichtlinie sollen vor allem neu initiierte Vorhaben und Kooperationen zwischen organisierter Zivilgesellschaft und wissenschaftlichen Einrichtungen gefördert werden. In Ausnahmefällen können sich auch bereits bestehende bürgerwissenschaftliche Projekte um eine weitere Förderung bewerben. Hier ist die Förderung nur möglich, wenn das bestehende Projekt zum Zeitpunkt des geplanten Beginns des neuen Projekts abgeschlossen ist und eine neue Fragestellung entwickelt wird.

Gefördert werden ausschließlich Ausgaben, bzw. Kosten im nichtwirtschaftlichen Bereich, insbesondere bei Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.

Die Richtlinie ist nicht auf die Förderung bestimmter fachlicher Disziplinen ausgelegt. Gefördert werden Vorhaben aus allen wissenschaftlichen Bereichen, die eine gesellschaftlich relevante Fragestellung mit inter- und transdisziplinären Schwerpunkten verfolgen. Dazu zählen u. a. die Bereiche Umwelt und Nachhaltigkeit, Arbeit und Wirtschaft, Energie und Mobilität, Gesundheit und Lebensqualität oder Kultur und Bildung. Die geförderten Vorhaben sollen innerhalb des jeweiligen Forschungsbereichs zu einem substantiellen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beitragen.

Soweit möglich und für das Vorhaben zielführend sollen bereits existierende Orte des organisierten Lernens und bürgerschaftlichen Engagements, wie z. B. Wissenschaftsläden, Volkshochschulen, „Maker Spaces“ oder Museen, Bildungszentren sowie Initiativen außerschulischen Lernens in das Vorhaben miteinbezogen werden.

Um den Beitrag zur dauerhaften Verankerung des Themas Bürgerwissenschaften abschätzen und später nachvollziehen zu können, ist in den Projektanträgen zu beschreiben, wie das Thema Bürgerwissenschaften langfristig in die Strukturen der beteiligten Organisationen einfließen soll und welche Verbesserungen gegenüber dem Status quo erreicht werden sollen.

Wichtig bei der Umsetzung der bürgerwissenschaftlichen Vorhaben sind die Einhaltung wissenschaftlicher Standards und die Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Insbesondere muss bei bürgerwissenschaftlichen Vorhaben ­sichergestellt werden, dass die Methodik transparent ist, eine ausreichende Dokumentation der Ergebnisse stattfindet und die Forschungsergebnisse diskutiert und veröffentlicht werden.

Gefördert werden sollen Vorhaben, an denen Bürger zu unterschiedlichen Phasen und Graden der Beteiligung − je nach Ausmaß der vorhandenen Expertise bzw. des Engagements oder eingebrachten Ressourcen − einbezogen werden. In den Vorhaben können Bürger und Forscher in allen oder nur zu bestimmten Phasen des Forschungsprozesses (Themendefinition/-findung, Datengewinnung, Forschungsarbeiten, Kommunikation des Forschungsprozesses und der Forschungsergebnisse) zusammenarbeiten. Die vorliegende Richtlinie ist offen für alle Grade der Beteiligung:

  • Mitwirkung: Beteiligung in der Datengewinnung und/oder -verarbeitung,
  • Kollaboration: Beteiligung in der Definition der Forschungsfrage, Datenauswertung und -analyse,
  • Ko-Kreation: gemeinsame Konzeption und Durchführung des gesamten Forschungsprozesses.

Von der Förderrichtlinie ausgeschlossen sind Vorhaben, die Bürger als „Forschungsgegenstand“ oder als „Datenquelle“ (z. B. als Probanden, bei Umfragen, etc.) in das Projekt einbinden, ohne deren Expertise oder aktive Mitarbeit zu nutzen.

Antragsberechtigt sind staatliche und nicht staatliche Hochschulen, außeruniversitäre Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, außerschulische Kultur- und Bildungseinrichtungen, weitere ­Institutionen (z. B. Initiativen, Vereine, Verbände, Stiftungen) mit Schwerpunkten in der Wissensgenerierung und -vermittlung, Kommunen (Städte, Landkreise, Gemeinden) sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit einem nachgewiesenen Schwerpunkt auf Forschung, Bürgerwissenschaften, Wissenschaftskommunikation oder Bildung für nachhaltige Entwicklung. Alle Antragsberechtigten können in Verbundvorhaben sowohl als Verbundkoordinator als auch als Verbundpartner fungieren, jedoch muss mindestens ein wissenschaftlicher Verbundpartner beteiligt sein.

Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder ­Niederlassung (Unternehmen) bzw. einer sonstigen Einrichtung, die der nichtwirtschaftlichen Tätigkeit des Zuwendungsempfängers dient in Deutschland verlangt.

Zudem sollen die nachfolgenden Bedingungen erfüllt sein:

  1. Erfüllung der fachlichen Voraussetzungen und nachweisbare Kenntnisse im Bereich der Bürgerwissenschaften und/oder Wissenschaftskommunikation und/oder Bildung für nachhaltige Entwicklung von mindestens einem Verbundpartner;
  2. Sicherung einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung, insbesondere Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) im Rahmen des Rechnungswesens;
  3. Gewähr für eine zweckentsprechende, wirtschaftliche und sparsame Verwendung der Fördermittel sowie bestimmungsgemäßer Nachweis derselben.

Forschungseinrichtungen, die von Bund und/oder Ländern grundfinanziert werden, kann neben ihrer institutionellen Förderung nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Projektförderung für ihre zusätzlichen projektbedingten Ausgaben beziehungsweise Kosten bewilligt werden.

In der ersten Verfahrensstufe sind dem DLR Projektträger, Kompetenzzentrum Wissenschaftskommunikation, bis spätestens 10. Januar 2020 zunächst Kurzskizzen in schriftlicher Form auf dem Postweg und in elektronischer Form über „easy-online“ vorzulegen.

Seiten-Adresse: https://www.bio-pro.de/datenbanken/foerderung/richtlinie-zur-foerderung-von-buergerwissenschaftlichen-vorhaben