Rückblick: "Lust auf Technik" machte der Stuttgarter Messeherbst 2014

Auf der "Lust auf Technik" informierten sich die Forscher von morgen und andere an Innovationen interessierte Besucher. Die BIOPRO Baden-Württemberg zeigte an ihrem Stand aktuelle Forschungsergebnisse im Bereich medizinischer Implantate oder in Kraftfahrzeugen verbaute Biokunststoffe. Außerdem diskutierten die jungen Messebesucher mit den Mitarbeitern der BIOPRO über Möglichkeiten und Perspektiven in naturwissenschaftlichen Berufen.

Die Produktion des biobasierten Werstoffs ARBOFORM® wurde Schritt für Schritt an einem Exponat erklärt. © BIOPRO

„Lust auf Technik“ machte die viertägige Ausstellung im Bereich „Hobby und Elektronik“ des Stuttgarter Messeherbstes 2014 auf jeden Fall. Vom 20. bis 23. November 2014 konnten sich hier Technikinteressierte aus allen Bereichen für aktuelle Forschung und Produkte begeistern lassen. Unter dem Motto „verstehen, erleben, mitmachen“ lockte die „Lust auf Technik“ mit spannenden Workshops und Ausstellungen sowie interessanten Forumsbeiträgen mehrere Tausend Besucher an.

Hier konnten sich besonders junge Besucher über die verschiedenen MINT-Berufe informieren und sich durch viele interaktive Exponate einen guten Überblick über die spannendsten Entwicklungen in Forschung und Technik verschaffen.

Auf der "Lust auf Technik" wurde komplexe Forschung anhand plastischer Exponate anschaulich erklärt. © BIOPRO

Bei der Wissensralley an den Kinder- und Schülertagen informierten sich die angehenden Jungforscher Baden-Württembergs am 20. und 21. November 2014 über viele spannende Themen. Die an Biologie Interessierten zählten unter dem Mikroskop fleißig Zeckenbeine. Acht war hier meist die Antwort - womit unsere Nachwuchsforscher richtig lagen. Erwachsene Besucher staunten nicht schlecht über den genialen Ansatz Heidelberger Forscher, die die von Zecken übertragenen Borreliose-Bakterien schon im Magen der Zecken bekämpfen, wenn diese sich festgebissen haben. Oder es wurde am Stand der BIOPRO zusammen mit den Schülern die Drucktechnologie eines 3D-Druckers analysiert: Diese kann man sich wie eine Heißklebepistole vorstellen.

Biobasiertes Material wurde mittels 3D-Drucker in die verschiedensten Formen gebracht. © BIOPRO

Aber der BIOPRO ging es mit ihrem 3D-Drucker weniger um das Gerät als um den Kunststoff, also das verdruckte Material. Es gibt inzwischen die ersten biobasierten Alternativen zu herkömmlichen, erdölbasierten Kunststoffen. Die BIOPRO hatte sie mitgebracht und als Teil ihrer Ausstellung „Biotechnologie zum Anfassen“ präsentiert.

„Die Entwicklung einer Wirtschaft ohne Erdöl ist die Vision der Bioökonomie ,“ erklärte Prof. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO. „Und hierzu wollen wir anhand von Beispielen zeigen, in welche Richtung das gehen kann. In dem Verbundprojekt BioFabNet (Biobased Fabrication Network) werden verschiedene, biobasierte Kunststoffe für den 3D-Druck entwickelt. Aber BIOPRO zeigt nicht nur neue Kunststoffe, sondern erklärt auch, welche Rohstoffe anstelle von Erdöl eingesetzt werden, wie diese produziert werden und dass die biobasierten Kunststoffe vom erdölbasierten Produkt kaum zu unterscheiden sind beziehungsweise diesem teilweise sogar überlegen sein können“, erklärte Kindervater und reicht einem interessierten Besucher einen Flötenkopf aus ARBOFORM, einem vollständig biobasierten Werkstoff auf Holzbasis.

Auch auf Polymilchsäure (PLA) basierende Kunststoffe sind schon für den 3D-Druck kommerziell erhältlich. © BIOPRO

Milchsäure ist ein anderer Rohstoff, der beispielweise für die Herstellung von Druckfilamenten eingesetzt werden kann. Und so verfolgte der eine oder andere Besucher wie gebannt die Entstehung von biobasierten Seepferdchen, Seesternen oder Jodaköpfen durch den 3D-Drucker des BioFabNets auf dem Stand der BIOPRO.

"Dass uns Biotechnologie im Alltag bereits morgens beim Zähneputzen begegnet, ist vielen Menschen nicht bewusst. Dies Wissen zu vermitteln, ist ein Anliegen der BIOPRO. Dafür haben wir die Ausstellung "Biotechnologie zum Anfassen" entwickelt. Aktuelle Forschungsthemen der Medizin, wie zum Beispiel ein Implantat, das mittels winziger Fotozellen degenerierte Sehzellen im Auge ersetzen kann, werden hier mit plastischen Exponaten anschaulich erklärt“, so Kindervater.

Die Mitarbeiter der BIOPRO erklärten den Besuchern verschiedene Ansätze für biobasierte Kunststoffe. © BIOPRO

Auf die Frage, ob die Messebesucher glauben, dass ein Mikrochip im Auge schon implantiert wurde, um einen Blinden wieder sehend zu machen, verneinten die meisten. Und dennoch sind die ersten Chips der Reutlinger Firma Retina Implant AG bereits in der Anwendung beim Menschen.

Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Forschungsmeilensteine breit zu kommunizieren. Die BIOPRO publiziert dazu zweimal jährlich das BIOPRO-Magazin, dass bei der "Lust auf Technik" zahlreiche neue Abonnenten fand. Das kostenlos zu beziehende Magazin übersetzt Forschung verständlich für die Öffentlichkeit und informiert über Themen wie Allergie, Sucht oder Biogas, ohne sich im Fachjargon zu verlieren.

Andere Aussteller der "Lust auf Technik" wie „Jugend forscht“ präsentierten die spannenden Projekte ihrer Gewinner, z.B. eine Sehhilfe mit Ultraschall für Blinde der 14-jährigen Daniela Kludszuweit.

Prof. Dr. Ralf Kindervater erklärte den Ansatz der Bioökonomie als Wirtschaftsform in seiner Präsentation "Bioökonomie - Zukunft ohne Erdöl". © BIOPRO

Auch die Experimenta gGmbH lockte mit interaktiven Exponaten Besucher auf ihren Stand, die so die Welt der Naturwissenschaften und Technik spielerisch entdecken und aus einer PET-Flasche und einer Glasampulle einen Flaschentaucher basteln konnten.
Imposant war der zweistöckige, begehbare Ausstellungs-Truck der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH zum Thema „Expedition N - Nachhaltigkeit für Baden-Württemberg und Coaching4future“, der an Multimedia-Terminals über Nachhaltigkeit aufklärte und zeigte, wie jeder einzelne von uns dazu beitragen kann.

In einem Vortrag erläuterte Kindervater die Vision einer nachhaltigen, bioökonomischen Gesellschaftsform und präsentierte einige Beispiele, die in Baden-Württemberg bereits realisiert werden. Er betonte, dass hier ein langer Weg vor uns liegt, auf dem man aber durch interdisziplinäre Forschung und mit Hartnäckigkeit vorankommen wird.

Und so hieß es auch dieses Jahr „Lust auf Technik“ durch spannende „Biotechnologie zum Anfassen“ erleben.

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