Pressemitteilung - 25.9.2017

Unternehmensbesichtigung mit den MTZ®-BIOPRO Schülerpreisträgern 2017

Im zehnten Jubiläumsjahr des MTZ®-BIOPRO Schülerpreises wurden die diesjährigen Preisträger von der MTZ®stiftung und der BIOPRO Baden-Württemberg nach Heidelberg eingeladen. Am 22. September 2017 erhielten die jungen Abiturienten dort neben interessanten Einblicken in die Arbeitsabläufe des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Phenex Pharmaceuticals AG auch einen persönlichen Rat der Gastgeber für den beruflichen Werdegang.

Glossar

  • Desoxyribonukleinsäure (DNS / DNA) trägt die genetische Information. In den Chromosomen liegt sie als hochkondensiertes, fadenförmiges Molekül vor.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Das Genom ist die gesamte Erbsubstanz eines Organismus. Jede Zelle eines Organismus verfügt in Ihrem Zellkern über die komplette Erbinformation.
  • Immunologie ist eine Wissenschaft, die sich u. a. mit den Abwehrreaktionen von Mensch und Tier gegen Organismen wie Bakterien, Pilze und Viren, aber auch mit Abwehrreaktionen gegen fremde Zellen und Gewebe bzw. gegen eigene Zellen und Gewebe (Autoimmunreaktionen) beschäftigt.
  • Lytisch zu sein ist die Eigenschaft eines Bakteriophagen, seine Wirtszelle bei der Infektion zu zerstören.
  • Nukleotidsequenzen sind Abfolgen der Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin auf der DNA (bzw. Uracil statt Thymin bei RNA).
  • a) DNA-Sequenzierung ist eine Methode zur Entschlüsselung der Erbinformation durch Ermittlung der Basenabfolge. b) Protein-Sequenzierung ist eine Methode zur Ermittlung der Aminosäurenabfolge.
  • Eine Sonde im molecularbiologischen Sinn ist ein Stück markierte RNA oder DNA, die mit einer gesuchten Sequenz binden (hybridisieren) kann.
  • Bioinformatik ist eine Wissenschaft, die sich mit der Verwaltung und Analyse biologischer Daten mit Hilfe modernster Computertechnik, befasst. Dient derzeit hauptsächlich zur Vorhersage der Bedeutung von DNA-Sequenzen, der Proteinstruktur, des molekularen Wirkmechanismus und der Eigenschaften von Wirkstoffen. (2. Satz: mwg-biotech)
  • In einem "Array" sind viele Proben fein säuberlich nebeneinander aufgetragen. Es ist ein Medium, mit dem bekannte und unbekannte DNA-Sequenzen und Proteine aufgrund von Basenpaarungen und Protein-Protein-Interaktionen in großem Durchsatz identifiziert werden.
  • Das Proteom ist die Gesamtheit aller zu einem bestimmten Zeitpunkt unter definierten Bedingungen vorhandenen Proteine in einem Lebewesen, einem Gewebe oder einer Zelle.
  • Ein Tumor ist eine Gewebsschwellung durch abnormales Zellwachstum, die gutartig oder bösartig sein kann. Gutartige (benigne) Tumore sind örtlich begrenzt, während Zellen bösartiger (maligner) Tumore abgesiedelt werden können und in andere Gewebe eindringen können, wo sie Tochtergeschwulste (Metastasen) verursachen.
  • Gastrointestinal bedeutet: den Magen und Darm betreffend. Der Gastrointestinal-Trakt ist eine andere Bezeichnung für Magen-Darm-Trakt, ein Teil des Verdauungssystems.

Die erste Station war das Deutsche Krebsforschungszentrum. Dort wurden die Abiturienten über zentrale Forschungsfragen und Serviceeinheiten des DKFZ informiert und durften im Rahmen einer Laborführung die Praxis hautnah miterleben.

Functional Genome Analysis am DKFZ

In den letzten Jahren wurden verschiedene Verfahren entwickelt, DNA-Abschnitte schnell und effizient zu sequenzieren. Diese Hochdurchsatz-Sequenzierungen werden als Next-Generation-Sequencing (NGS) bezeichnet und beruhen darauf, eine große Anzahl an parallelen Sequenzierungen von DNA-Fragmenten in einem Sequenziervorgang durchzuführen.

Das Genomics & Proteomics Core Facility-Team in Heidelberg bietet am DKFZ mit dem NGS-Verfahren eine umfassende Analyse der wichtigsten Veränderungen in Tumoren an. Diese Dienstleistung kann auch von externen Kunden in Anspruch genommen werden. Trotz aufwendiger Aufarbeitung der eingesendeten Patientendaten dauert dieser Service nur zwölf Tage. Zur Erinnerung: Die 1980 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnete Methode von Frederick Sanger für Genomsequenzierung erforderte rund 15 Jahre, um das menschliche Genom einmal komplett zu sequenzieren.

Für die Teilnehmer, von welchen über die Hälfte den Naturwissenschaften treu bleiben will, waren vor allem die Berufschancen interessant. So werden bei NGS Bioinformatiker, Technische Assistenten, Qualitätsmanager, Biologen und Ingenieure beschäftigt.

Nach einer Mittagspause in der naheliegenden Mensa wurden die Abiturienten von Dr. Jörg Hoheisel, Leiter der Functional Genome Analysis am DKFZ, empfangen. Dr. Hoheisel war für die jungen Besucher ein nahbarer Ansprechpartner. In seiner Funktion als Chairman of Scientific Council entscheidet er mit über Einstellungen in hohen Funktionen. Zu möglichen Berufsaussichten für Einsteiger am DKFZ gab er den persönlichen Rat, bei der Themenauswahl das eigene Interessensgebiet an erste Stelle zu setzen. Danach erst sollten die Reputation bekannter Professoren oder Forscher als Auswahlkriterium folgen. Um nicht in der Bewerbermasse unterzugehen, empfiehlt Hoheisel, sich von der Masse abzuheben, die Initiative zu ergreifen und den persönlichen Kontakt beim Wunscharbeitgeber zu suchen. Die Chancen am DKFZ seien gut.

Doch auch eine Zusage verspricht keine unbegrenzte Festanstellung. An Universitäten und zum Teil auch an Forschungseinrichtungen werden seit vielen Jahren zeitlich befristete Verträge, meist gekoppelt an zur Verfügung stehende Forschungsgelder, ausgestellt.

In seiner Zeit am DKFZ hat Hoheisel viele Funktionen und Ämter übernommen und konnte zudem einen Einblick in Ausgründungen geben. So war Hoheisel 2013 an der Gründung der Sciomics GmbH beteiligt. Das Sciomics-Team arbeitet seit 2003 auf wissenschaftlicher Ebene mit Antikörper-Microarrays und hat robuste Protokolle für eine hochqualitative Produktion und Anwendung etabliert. Basierend auf dieser Erfahrung bietet Sciomics einen kompletten Analyse-Service für Proben mit dieser Technologie an. Zum Einsatz kommen hier sowohl standardisierte als auch kundenspezifisch hergestellte Microarrays. Sciomics ist eine gelungene Ausgründung und ein positives Beispiel. Aber an einer Gründung zu scheitern, bedeute nicht das Ende, so Hoheisel. "Diese Leute werden trotzdem im akademischen Bereich und in der Industrie gesucht – weil sie es versucht haben".

Phenex Pharmaceuticals AG

Abschließend machte die Gruppe bei der Phenex Pharmaceuticals halt. Das biopharmazeutische Unternehmen erforscht und entwickelt innovative, hocheffiziente “small molecule“ Wirkstoffe zur Behandlung schwerer Erkrankungen in den Bereichen Leber/Gastrointestinal, chronische Entzündung / Immunologie sowie Krebs.

Dr. Claus Kremoser ermunterte die Teilnehmer den Mut zu haben, bei kleinen Biotech-Unternehmen arbeiten zu wollen. Weder die Großindustrie noch eine akademische Laufbahn hätten ihm das bieten können, was die Gründung eines eigenen Unternehmens an Mitbestimmung und persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten mit sich brachte. Vor allem in den kleinen Unternehmen würde maßgeblich zur Innovation im Gesundheitswesen beigetragen.

Kremoser weiß, wovon er spricht: Nach zwölf "mageren" Jahren gelang Phenex Pharmaceuticals 2014 international der Durchbruch. Inzwischen befinden sich zwei von Phenex entwickelte Wirkstoffkandidaten in der klinischen Entwicklung und werden durch Pharmafirmen wie zum Beispiel Gilead Sciences in Millionenhöhe finanziert.

Zum beruflichen Werdegang in den Naturwissenschaften rät Kremoser zur Promotion. Bei Phenex Pharmaceuticals sind 30 Chemiker, Biologen und Technische Assistenten beschäftigt, davon haben zwei Drittel promoviert. Darüber hinaus gelte, das zu machen, was Spass macht, nur das mache man richtig gut.

  • Gruppenbild der Schülerpreisträger und -preisträgerinnen am Tag der Unternehmensbesichtigung in Heidelberg. © BIOPRO
  • Dr. Angela Schulz von NGS zeigt den Schülerpreisträgern die Sequenzierer © BIOPRO
  • Dr. Hoheisel, Head, Functional Genome Analysis & Chairman of Scientific Council stellt sich den Schülerpreisträgern vor © BIOPRO
  • Mit den Schülerpreisträgern im Labor (rechts im Bild: Dr. Kremoser, Geschäftsführer von Phenex Pharmaceuticals) © BIOPRO

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