Innovativ, informativ, kommunikativ – die Special Interest Groups der BIOPRO Baden-Württemberg

Die Special Interest Groups (SIGs) wurden im Rahmen der Akteursplattform Bioökonomie der BIOPRO Baden-Württemberg ins Leben gerufen, um den Bioökonomiestandort Baden-Württemberg voranzubringen. Im Mai und Juni 2016 fanden bereits zwei SIG-Treffen statt.

Fossile Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle sollen in Zukunft weniger Gewicht als Energieträger haben. Im Gegenzug sollen Biomasse, biobasierte Reststoffe und Bio-Abfälle verstärkt Einzug halten in Industrie, Mobilität und Energiewirtschaft. Der Wandel hin zu einer biobasierten Industrie kann nur gelingen, wenn sich Akteure aus Industrie, Verbänden und Netzwerken engagieren, vernetzen und Ideen einbringen. In der Entwicklung bioökonomischer Lösungen liegen Chancen für neue Produkte, Dienstleistungen, Partnerschaften und Technologien. Die BIOPRO entwickelt mit den SIGs eine Plattform, die es Unternehmen ermöglicht, neue Kontakte zu knüpfen, Wege aufzuzeigen und Problemstellungen zu diskutieren. Das Ziel dabei ist, Bioökonomie für Unternehmen nutzbar zu machen und sie in Baden-Württemberg voranzutreiben.

Glossar

  • Ein Polymer ist eine aus gleichartigen Einheiten aufgebaute kettenartige oder verzweigte chemische Verbindung. Die meisten Kunststoffe sind Polymere auf Kohlenstoffbasis.
  • Fossile sind aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit stammende Überreste von Tieren oder Pflanzen.
  • Als Biomasse wird die gesamte Masse an organischem Material in einem definierten Ökosystem bezeichnet, das biochemisch – durch Wachstum und Stoffwechsel von Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen – synthetisiert wurde. Damit umfasst sie die Masse aller Lebewesen, der abgestorbenen Organismen und die organischen Stoffwechselprodukte.
Teilnehmer des SIG-Treffens Biopolymere/Biokunststoffe © BIOPRO

Jeweils rund 20 Vertreter aus Industrie und Politik nahmen an den ersten beiden SIG-Treffen teil. Diskutierte Themen waren “Biopolymere/Biokunststoffe“ und “Marketing, Kommunikation, Ökobilanz, Nachhaltigkeit“.

Die Bedeutung von Biopolymeren wächst – „die Menge von 1,7 Mio. Tonnen im Jahr 2014 wird auf geschätzte 7,8 Mio. Tonnen im Jahr 2019 ansteigen“, sagte Marco Neudecker vom IfBB beim Treffen der SIG Biopolymere/Biokunststoffe. Bei der Veranstaltung zeigte sich, wie groß das Interesse und die Potenziale im Bereich von Biokunststoffen sind. Auch der Einsatz von Markerpartikeln, mit denen nach Jochen Mößlein, Geschäftsführer der Polysecure GmbH, Materialsortierung und Qualitätssicherung sowie Produktauthentifizierung und Plagiatschutz erleichtert werden sollen, war Thema der Veranstaltung. Diese Technologie ermöglicht unter anderem eine Trennung von biobasierten und petrobasierten Polymeren. Nach Meinung von Experten könnte durch das Recycling und die Rückführung von Polymeren aus Reststoffen eine Kreislaufwirtschaft entstehen, ohne die eine erfolgreiche Bioökonomie nicht auskommt. Im Rahmen der Veranstaltung der SIG Biopolymere/Biokunststoffe wurden fünf Themenschwerpunkte identifiziert, die die Teilnehmer in weiteren SIG-Treffen vertiefen wollen. Neben gemeinschaftlichen Projekten standen auch die Kommunikation, neue Produkte und Technologien, Rohstoff- und Kreislaufwirtschaft sowie eine stärkere Vernetzung im Fokus der Teilnehmer.

Interessierte Zuhörer der SIG Marketing, Kommunikation, Ökobilanz, Nachhaltigkeit. © BIOPRO

Stärken und Schwächen von Ökobilanzen, die Rolle von Nachhaltigkeitsuntersuchungen und Aspekte der Umweltverträglichkeit sowie das Marketing biobasierter Produkte wurden im SIG-Treffen Marketing, Kommunikation, Ökobilanz, Nachhaltigkeit angesprochen. Die Transparenz einer Ökobilanz solle nach Dr. Guido Reinhardt vom IFEU Heidelberg für Unternehmen im Vordergrund stehen. Außerdem könnten sich die Ökobilanzen ähnlicher Produkte stark unterscheiden und seien nicht ohne erneute Berechnung übertragbar. Da Ökobilanzen komplex und vielschichtig sind, beinhalte eine vollständige Nachhaltigkeitsuntersuchung viele unterschiedliche Analysen und Aspekte. Dass es im Bereich Marketing noch einige Hürden zu überwinden gibt, bis biobasierte Produkte einen ähnlich guten Absatz finden wie die herkömmlichen, erdölbasierten Vertreter, zeigte der Vortrag von Alfred Kugler von der Mosca GmbH. Denn der Kunde entscheidet, ob er trotz des oftmals höheren Preises ein biobasiertes Produkt kauft oder nicht. Öffentlichkeitsarbeit muss geleistet werden, um Kunden über bioökonomische Produkte, Technologien und Dienstleistungen zu informieren. Denn bei den meisten biobasierten Produkten geht es in erster Linie um Nachhaltigkeit und nicht um eine veränderte Funktionalität, was von Kunden vielfach nicht erkannt wird.

Bioökonomie kann in der Praxis nur dann gelingen, wenn viele ihr Fach- und Branchenwissen einbringen. Eine enge Kooperation auf vielen Ebenen ist daher unabdingbar. Gestalten auch Sie als Akteur die Bioökonomie in Baden-Württemberg mit und melden Sie sich zur Akteursplattform oder einer Special Interest Group auf bio-pro.de an.

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