Rückblick: Hannover Messe 2016: Bioökonomie zum Anfassen

Auch in diesem Jahr war die BIOPRO Baden-Württemberg GmbH auf der weltweit wichtigsten Industriemesse, der Hannover Messe, mit einem Stand vertreten. Mit der USA als Partnerland und dem Leitthema "Integrated Industry – Discover Solutions" zog die Messe mehr als 190.000 Besucher an. Vom 25. bis 29. April 2016 konnten diese in Halle 2 biobasierte Produkte entdecken und eine Wirtschaft erleben, die ohne fossile Rohstoffe auskommt.

Der Schaufensterstand Bioökonomie auf der Hannover Messe 2016. © BIOPRO

Zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), welche durch ihre Projektträger PTJ und FNR vertreten waren, zeigte die BIOPRO Baden-Württemberg GmbH das Potenzial nachwachsender Rohstoffe in Form eines komplexen Wertschöpfungsnetzes.

Eine zentrale Rolle für die Bioökonomie spielt der nachwachsende Rohstoff Holz. Lignin kann als Ausgangsmaterial für die Entwicklung biobasierter Kunststoffe genutzt werden. Für das Lignin gibt es vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel wollen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung daraus Carbonfasern herstellen, die in Zukunft im (automobilen) Leichtbau eine große Rolle spielen werden.

Um aus diesen biobasierten Hochleistungsfasern auch nachhaltige Verbundwerkstoffe herzustellen, werden biobasierte Harze benötigt. Mit der Entwicklung haben sich Arbeitsgruppen der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, der Fachhochschule Münster und des Forschungsbereichs Polymermaterialien und Composite PYCO des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP in einem BMEL-geförderten Projekt beschäftigt.

Einweihung des bioliq®-Modells

Die Karlsruher bioliq®-Anlage wandelt trockene Restbiomasse in Synthese-Kraftstoffe und chemische Grundprodukte um. © BIOPRO

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird untersucht, wie trockene Restbiomasse zur energetischen Nutzung eingesetzt werden kann. Mithilfe der Pilotanlage des bioliq®-Verfahrens sollen aus biogenen Reststoffen, wie etwa Getreidestroh oder Restholz, synthetische BtL(Biomass-to-Liquid)-Kraftstoffe hergestellt werden. Darüber hinaus ist auch die Erzeugung chemischer Grundstoffe und Synthesegase möglich.

Den gesamten bioliq®-Prozess, der in fünf Verfahrensschritte unterteilt ist, konnte man anhand eines speziell für die Hannover Messe angefertigten Modells verfolgen. In dezentralen Anlagen wird die trockene Biomasse vor Ort mittels Schnellpyrolyse zu Pyrolyseöl und Pyrolysekoks zersetzt. Es folgt die Energieverdichtung, in der das Pyrolyseöl mit dem Pyrolysekoks zu dem energiereichen Biosyncrude vermischt wird. Die Dezentralität sorgt für eine gesteigerte Wirtschaftlichkeit des Verfahrens bei gleichzeitiger CO2-Einsparung, da lange Transportwege entfallen.

Bei der zentral erfolgenden Flugstromvergasung wird der Biosyncrude zu einem Rohsynthesegas umgesetzt, das anschließend von störenden Spurenstoffen in der Gasreinigung und -konditionierung gereinigt werden muss. Das gereinigte Gas kann dann entweder direkt genutzt oder in synthetische Kraftstoffe für verschiedene Motorentypen umgewandelt werden. So kann Biomasse energetisch nutzbar gemacht werden. Da im Verfahren Reststoffe verwertet werden, steht die erzeugte Energie darüber hinaus in keiner Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung.

Offizieller Launch der Verarbeitungsdatenbank von Biokunststoffen

Prof. Dr.-Ing. Hans-Josef Endres, Leiter des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover, stellt die Verarbeitungsdatenbank für Biokunststoffe vor. © BIOPRO

Nach drei Jahren Forschung wurde die kostenlose und frei zugängliche Ergebnisdatenbank mit Verarbeitungsinformationen für die kunststoffverarbeitende Industrie im Rahmen der Hannover Messe feierlich eröffnet. Neben dem Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) der Hochschule Hannover waren auch das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP), das Kunststoff-Zentrum (SKZ) und die Technische Universität Chemnitz an der Entwicklung der Ergebnisdatenbank beteiligt.

Die Online-Datenbank beinhaltet Informationen zu den unterschiedlichsten Verarbeitungsverfahren von knapp 100 biobasierten Kunststoffen. Zu finden sind diese entweder über das Material oder das Verfahren, wie etwa Spritzgießen, Tiefziehen oder Extrusionsblasen.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und geht nun in die zweite Phase. Zusammen mit der verarbeitenden Industrie soll so noch mehr Praxisbezug erreicht werden. Daher sind Verarbeiter aufgefordert, sich mit ihren Fragestellungen bezüglich des Einsatzes und/oder der Verarbeitung von Biokunststoffen an die Verbundpartner zu wenden.

Hannover Messe 2016 in Bildern

  • Bioökonomie in der Praxis: Im Projekt "Biobasierte Mobilität mit Biomethan" fährt der Touran der BIOPRO zu 100 Prozent mit Bio-Erdgas. © BIOPRO
  • Verantwortung für die Zukunft: Schüler informieren sich über die Möglichkeiten einer Bioökonomie. © BIOPRO
  • Der nachwachsende Rohstoff Holz spielt eine zentrale Rolle in der Bioökonomie. © BIOPRO
  • Prof. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, erläutert den Mitgliedern des niedersächsischen Vereins nifa die Prozessschritte der bioliq®-Pilotanlage. © BIOPRO
  • Fachgespräche auf dem Gemeinschaftsstand Schaufenster Bioökonomie. © BIOPRO
  • Der Gemeinschaftsstand Schaufenster Bioökonomie auf der Hannover Messe 2016. © BIOPRO
  • Im Rahmen des Schaufensterstandes Bioökonomie wurden auch die Handlungsfelder der baden-württembergischen Bioökonomieforschung präsentiert. © BIOPRO

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