Ein Virus, das im Versteck auf seine Chance lauert

Das humane Cytomegalievirus (HCMV) steht im Schatten bekannter Viren wie dem Aids-Erreger, den Mitarbeiter von Thomas Mertens am Ulmer Institut für Virologie beforschen. Thomas Mertens, Ärztlicher Direktor der Virologie, beschäftigt sich seit langem klinisch und wissenschaftlich mit dem komplexen viralen Riesen. Das Virus stellt die Forscher vor enorme Herausforderungen und geizt mit schnellen Erfolgen.

Ein Riese unter den Viren - der Steckbrief des HCMV liest sich beeindruckend:
Das zur Familie der Herpes-Viren gehörende humane Cytomegalievirus zählt zu den größten Viren beim Menschen und ist überall auf der Welt verbreitet. Sein Erbgut codiert mehr als 200 Gene. Verglichen damit ist zum Beispiel das Hepatitis-B-Virus ein Zwerg - enthält dieses nur mehrere 1.000 Nukleotide, weist das HCMV 200 Mal so viele Basenpaare auf. Das Virus, das über Körperflüssigkeiten übertragen wird, vermehrt sich kaskadenartig.

Vermehrung in Etappen

Prof. Dr. Thomas Mertens, Experte für CMV und Influenza-Viren. © UK Ulm

Das liegt nach Mertens’ Worten daran, dass so viele Gene codiert und nicht alle Gene gleichzeitig exprimiert werden.

Das Genom wird sequentiell in bestimmten Gruppen exprimiert: zuerst solche mit regulatorischer Funktion (sogenannte "immediate early" Gene), dann solche mit enzymatischer Funktion (wie Replikationsenzyme für die virale DNA) sowie die späten Gene, die strukturbildende Funktion haben und für die Bildung des viralen Partikels verantwortlich sind.

Das Virus vermehrt sich relativ langsam, was nach Ansicht des Ulmer Virologen mit seinem Alter zu tun hat. Denn HCMV ist offensichtlich ein altes Virus, das mit dem Menschen eine Co-Evolution durchlaufen hat. Das führt dazu, dass es Immungesunde selten krank macht, weil es sich sehr stark an seinen Wirt angepasst hat.

Dieses Schema der verschiedenen Infektionszustände des humanen Cytomegalievirus veranschaulicht die Komplexizität und die Vielfalt seiner Interaktionen mit den befallenen Zellen und die verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten. © Mertens

Komplex und fintenreich

Aus der Größe seines Genoms ergibt sich für die Forscher die Schwierigkeit, dass es sehr viele Interaktionen zwischen der Zelle und dem Virus gibt. Hinzu kommt, dass sich das HCMV zurückzieht, wenn es den Menschen befallen hat. Die Fachleute sprechen von latenter Infektion. Viele Menschen, erklärt Thomas Mertens, tragen es in sich, sind aber gesund, wenn ihr Immunsystem intakt ist. Im Ulmer Raum - gibt der Virologe ein Beispiel - trägt es jeder Zweite in sich, in anderen Weltgegenden mit geringerem hygienischen Standard, beinahe jeder.

Inzwischen weiß man, dass sich das Virus in bestimmte Zellen zurückzieht, in Monozyten, wahrscheinlich auch in Endothelzellen. Aber noch, schränkt Mertens ein, sind nicht alle Virus-„Verstecke“ bekannt. In dieser latenten Phase kann das Virus aber reaktiviert werden und zwar mit mehreren Mechanismen.

Gefahr für Immunschwache und Ungeborene

HCMV ist nach Mertens’ Worten der häufigste Erreger, der zu intrauterin erworbenen kindlichen Schäden durch Infektionen führt. Das Virus entfaltet nicht nur bei Schwangerschaften, sondern auch in der Hochleistungsmedizin seine pathogene, teilweise lebensgefährliche Wirkung. Es trifft Transplantierte und Krebspatienten, deren Immunsystem geschwächt ist, verursacht Lungenentzündungen oder gastrointestinale Ulzerationen. Jeder dritte Knochenmarktransplantierte bekommt nach Mertens' Worten Probleme mit dem Virus. Bei Transplantationspatienten ist das humane CMV der bedeutendste Erreger unter Pilzen und Bakterien.

Wann und wie kommt das Virus aus seinem Versteck?

Warum das Virus durch die Schwangerschaft bei Frauen häufiger reaktiviert wird, ist bislang ungeklärt. Mertens vermutet dahinter molekulare „Trigger“-Mechanismen. Klar scheint, dass im Moment seiner Reaktivierung das Immunsystem des Betroffenen eine große Rolle spielt, weil die Kontrolle der aktiven Virusinfektion wesentlich durch die CD8-positiven (zytotoxischen) T-Zellen geschieht. Klar ist auch, dass im Zustand der Latenz nur ganz wenige Gene des Virus exprimiert werden. Unklar aber sind immer noch die Latenz- und Umschaltgene.

Wenn das Virus aus seiner Latenz heraus wieder aktiviert wird, beginnt es sich langsam und kaskadenartig zu vermehren, was auch an der Vielzahl seiner damit eingebundenen Gene liegt. © Mertens

Rascher Befall, langsame Vermehrung

Die DNA-Replikation des Virus findet im Zellkern der infizierten Zelle statt. Sie vollzieht sich nach der Methodik des „rolling circle“: die virale DNA wird ringförmig geschlossen, dann wird die DNA in Einheitslängen geschnitten. Diese werden in vorbereitete Kapside verpackt und über die innere und äußere Zellmembran durch Mechanismen der Um- und Enthüllung mithilfe der Golgi-Membran aus der Zelle geschleust. Während das Virus die Zelle schnell befällt, verläuft seine Vermehrung langsam, erklärt Mertens. Ein Poliovirus vermehrt sich in Zellkultur in sechs Stunden, das HCMV braucht 72 Stunden.

Ausweichmanöver umgehen Abwehr

Diese Langsamkeit bereitet Forschern wie Mertens Probleme. Denn die Replikation ist komplex, interagiert an vielen Stellen mit der zellulären Genexpression. Das Virus hat daraus Ausweichmanöver entwickelt, um dem Immunsystem zu entkommen: Es muss verhindern, dass die Zelle frühzeitig apoptotisch zugrunde geht, bevor neue funktionstüchtige Viren gebildet werden.

Die Aufnahmen veranschaulichen, wie befallene Zellen durch virale Wirkung aus dem zellulären Verband herausgelöst werden. © Mertens

Einige dieser Ausweichmanöver sind verstanden. So reguliert das Virus MAC-Moleküle herunter, die dem Immunsystem an der Zelloberfläche Virusteile präsentieren. Darüber hinaus aktiviert das Virus Gene, die den zellulären Selbstmord verhindern. Das HCMV beeinträchtigt weiterhin die Bildung von extrazellulärer Matrix - die infizierte Zelle wird „entblößt“, kann leichter aus dem Gewebe ausscheiden. Das Virus reguliert weiterhin Rezeptoren (VEGF) der Zelle sowohl herauf- als auch herunter.

Zusammenhang mit anderen Krankheiten?

Im Nierenarterienorganmodell ist der Nachweis des HCMV gelungen. Auf der elektronenmikroskopischen Aufnahme ist der stachelige runde Erreger deutlich zu erkennen. © Mertens

Der Ulmer Virologe, der auch Influenza-Experte und Mitglied der Ständigen Impfstoffkommission am Robert-Koch-Institut ist, hat sich innerhalb des sehr breiten Forschungsspektrums auf drei Fragen konzentriert.
Er geht der Frage nach, ob eine so komplexe Interaktion zwischen Virus und Wirtszelle nicht auch für andere Krankheiten, die einem nicht unmittelbar in den Sinn kommen, eine Bedeutung hat. Seine Arbeitsgruppe fand tatsächlich belastbare Hinweise für Arteriosklerose. Versuche in Tiermodellen belegten, dass Herpesviren Arteriosklerose befördern. Beim Menschen, so Mertens, sei es gut vorstellbar, dass befallene Zellen oder Gewebe in einen „proarteriogenen“ Zustand versetzt werden. Der Nachweis beim Menschen ist aber schwer, weil es für HCMV kein Tiermodell gibt.

Virus nutzt Escort-Systeme der Zelle

Grundsätzliche wie anwendungsnahe Bedeutung hat Mertens’ zweiter Forschungsschwerpunkt, der sich mit der Morphogenese des HCMV beschäftigt. Welche viralen Proteine und wann benötigt es diese, damit es sich in der Wirtszelle „normal“ vermehren kann? Damit wäre geklärt, wie die Replikation funktioniert und welcher zellulären Mechanismen sich der Virus bedient. Im Fokus stehen vor allem Transportmoleküle der Zelle oder sogenannte Escort-Systeme, die das Virus oder Teile von ihm nutzt. Mertens zufolge gibt es Hinweise, dass Viren wie HIV, Herpes und HCMV diese Mechanismen in der Zelle mitnutzen, um die eigene Replikation zu vervollständigen.

Der morphogenetische Ansatz interessiert Mertens aber auch, weil sich daraus neue therapeutische Angriffspunkte ableiten lassen. Denn die Hemmung der Virusreplikation konzentriert sich auf diese Schritte in der Zelle. Dazu, so Mertens, muss der Replikationszyklus in kleine Teilprozesse zerlegt werden. Erst dann wisse man genau, wo man eingreifen muss.

Medikamente mit Mängeln

Die derzeit marktgängigen Virustatika setzen hier an – sie hemmen die Vervielfältigung des viralen Erbguts, zielen auf die Polymerase des Virus, entweder durch Nukleosidanaloga (falsche Genombausteine) oder Pyrophosphat-Analoga. Allerdings haben diese Medikamente für den Patienten zum Teil erhebliche Nebenwirkungen, sind nur bedingt verträglich.

Nicht nur das: Der Ulmer Virologe hat gezeigt, dass HCMV gegen diese Substanzen Resistenzen entwickelt. Die dem Selektionsdruck unterworfenen viralen Gene verändern sich spontan und werden gegen diese Substanzen unempfindlich. Deshalb ist es nach Mertens' Überzeugung wichtig, das Repertoire möglicher Therapeutika zu erweitern und neue Substanzen zu entwickeln, die sich gegen unterschiedliche Zielmoleküle richten und nicht automatisch zur Kreuzresistenz führen.

UL 97 – ein neuer Angriffspunkt?

Bei der Analyse und Aufklärung dieser Resistenzmechanismen und deren Mutationen stieß Mertens’ Arbeitsgruppe auf einen möglichen neuen Angriffspunkt, ein virales Enzym mit der Bezeichnung UL 97. Diese Kinase ist seit 20 Jahren bekannt und überträgt Phosphor auf ein Protein. Mertens und Mitarbeiter entdeckten, dass diese Kinase „sozusagen zufällig“ bestimmte Nukleosidanaloga, die in der Therapie eingesetzt werden, phosphoryliert.

Diese Übertragung erst macht ein Nukleosidanalogon virusselektiv: Wird das Nukleosidanalog in die befallene Zelle gegeben, stellt nur diese Zelle das virale Enzym zur Verfügung, das dann den falschen Genombaustein zum Monophosphat phosporyliert. Die Aufphosphorylierung zum Triphosphat ist wiederum nötig, damit dieses Molekül von der Polymerase in die zu synthetisierende virale DNA eingebaut werden kann.

Datenbank für internationale Forschungsgemeinde

Ist die Funktion dieses Enzyms verstanden, erhofft sich Mertens Aufschluss darüber, wo es verändert werden muss, um seine Funktion zu beeinträchtigen. Momentan baut seine Arbeitsgruppe mit Hans Armin Kestler vom Ulmer Institut für Neuroinformatik eine Datenbank auf. Damit sollen alle Mutationen dieses Proteins möglichst weltweit verfügbar sein, so dass alle, die eine Mutation bei ihrem Virus finden, Rückschlüsse auf die Empfindlichkeit des Virus gegenüber der antiviralen Substanz ziehen können.

Stellt sich heraus, dass UL 97 für die virale Replikation notwendig ist, wäre ein neues Ziel für therapeutische Eingriffe gefunden, unabhängig von dessen Eigenschaft der Phosphorübertragung. Obendrein hätte dieses Target den Vorteil, dass es auf einem anderen Mechanismus beruht und nicht auf die Polymerase zielt. Davor steht aber noch jede Menge Grundlagenforschung. Es müssten Hemmer von Proteinkinasen auf ihre antivirale Wirksamkeit getestet werden, die gleichzeitig die Proteinkinasen der Wirtszelle unbehelligt lassen.

Kein Impfstoff, keine klinischen Kandidaten

Theoretisch könnten alle replikationsrelevanten viralen Gene ein mögliches Target abgeben. Doch das erfordert ein aufwendiges Molekül-Screening im Hochdurchsatz. Einige Pharmaunternehmen führen dies durch, einige Substanzen sind nach Informationen von Mertens in der Pipeline, wurden in einigen klinischen Phasen bereits am Menschen erprobt, gestalten sich aber wegen der Komplexität des Virus mühselig. Auch Versuche, einen Impfstoff gegen HCMV zu entwickeln, scheiterten bislang. Derzeit gebe es keine Vakzine in fortgeschrittener klinischer Testung.

Differenzierungszustand der Zelle im Verdacht

Immer noch ungeklärt sind die molekularen Schalter, die das Virus abtauchen (Latenz) und reaktivieren, sprich wieder vermehren lässt. Im Verdacht haben Forscher den Differenzierungszustand bestimmter Zellen. So können Monozyten das Virus zwar aufnehmen, hindern es aber an seiner Vermehrung. Weiterdifferenzierte Makrophagen hingegen sind in der Lage, den Replikationszyklus zu unterstützen. Aus solchen Laborbefunden schließt Mertens, dass es nicht nur eine Eigenschaft des Virus, sondern zusätzlich eines Differenzierungszustandes der Zelle mit vielen möglichen Folgen (Zytokinausschüttung oder Alloreaktionen) bedarf, um ein Milieu zu schaffen, in dem dann mehrere molekulare Schalter umgelegt werden. Diese Checkpoints in der Zelle zu identifizieren, erfordert verstärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Zellbiologen mit Virologen.

Weiterführende Literatur:
Chevillotte M, Schubert A, Mertens T, von Einem J.: A fluorescence-based assay for phenotypic characterisation of human cytomegalovirus polymerase mutations regarding drug susceptibility and viral replicative fitness, in: Antimicrob Agents Chemother. 2009 Jun 22.

Schreiber A, Härter G, Schubert A, Bunjes D, Mertens T, Michel D.: Antiviral treatment of cytomegalovirus infection and resistant strains, in: Expert Opin Pharmacother. 2009 Feb;10(2):191-209.

Chevillotte M, Landwehr S, Linta L, Frascaroli G, Lüske A, Buser C, Mertens T, von Einem J.: Major tegument protein pp65 of human cytomegalovirus is required for the incorporation of pUL69 and pUL97 into the virus particle and for viral growth in macrophages, in: J Virol. 2009 Mar; 83(6):2480-90.

Glossar

  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Eine Base ist ein Bestandteil von Nukleinsäuren. Es gibt vier verschiedene Basen: Adenin, Guanin (Purinabkömmlinge), Cytosin und Thymin bzw. Uracil (Pyrimidinabkömmlinge). In der RNA ersetzt Uracil Thymin.
  • Die vier Basen liegen in der DNA-Doppelhelix immer als Paare vor. Aufgrund der chemischen Struktur ist eine Paarbildung nur zwischen A und T (DNA) bzw. A und U (RNA) sowie C und G möglich. A und T (U) sowie C und G werden deshalb auch als komplementär bezeichnet.
  • Desoxyribonukleinsäure (DNS / DNA) trägt die genetische Information. In den Chromosomen liegt sie als hochkondensiertes, fadenförmiges Molekül vor.
  • Enzyme sind Katalysatoren in der lebenden Zelle. Sie ermöglichen den Ablauf der chemischen Reaktionen des Stoffwechsels bei Körpertemperatur.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Genexpression ist der Begriff für die Biosynthese eines Genprodukts (= Umsetzung der genetischen Information in Proteine). Sie erfolgt in der Regel als Transkription von DNA zu mRNA und anschließender Translation von mRNA zu Protein.
  • Das Genom ist die gesamte Erbsubstanz eines Organismus. Jede Zelle eines Organismus verfügt in Ihrem Zellkern über die komplette Erbinformation.
  • Mit dem Begriff Mutation wird jede Veränderung des Erbguts bezeichnet (z. B. Austausch einer Base; Umstellung einzelner DNA-Abschnitte, Einfügung zusätzlicher Basen, Verlust von Basen oder ganzen DNA-Abschnitten). Mutationen kommen ständig in der Natur vor (z. B. ausgelöst durch UV-Strahlen, natürliche Radioaktivität) und sind die Grundlage der Evolution.
  • Ein Nukleosid ist eine stickstoffhaltige Base (z. B. Adenin, Guanin, Thymin, Cytosin, Uracil), an die ein Zuckermolekül gebunden ist.
  • Nukleotide sind die Bausteine der Nukleinsäuren. Sie setzen sich aus einer Base, einem Zuckerrest und drei Phosphatgruppen zusammen. Bei der DNA- bzw. RNA-Synthese werden Nukleotide miteinander über eine Phosphordiesterbindung verknüpft. Dabei werden zwei Phosphatgruppen abgespalten.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Replikation ist der biologische Fachbegriff für die Verdoppelung der DNA-Doppelhelix.
  • Rezeptoren sind Moleküle, die u. a. auf Zelloberflächen anzutreffen sind und die in der Lage sind, ein genau definiertes Molekül – ihren Liganden – zu binden. Das Zusammentreffen von Ligand und Rezeptor kann eine Abfolge von Reaktionen innerhalb der Zelle auslösen.
  • Screening kommt aus dem Englischen und bedeutet Durchsiebung, Rasterung. Man versteht darunter ein systematisches Testverfahren, das eingesetzt wird, um innerhalb einer großen Anzahl von Proben oder Personen bestimmte Eigenschaften zu identifizieren. In der Molekularbiologie lässt sich so z.B. ein gewünschter Klon aus einer genomischen Bank herausfiltern.
  • Unter Selektion im biologischen Sinn versteht man die Auslese von Organismen aufgrund ihrer Merkmale. Dies kann einerseits durch natürliche Selektionsmechanismen ("survival of the fittest") im Zuge der Evolution geschehen. Unter künstlicher Selektion versteht man andererseits die Auslese von Organismen durch den Menschen, z.B. in der Zucht. Auch in der Gentechnik wird künstliche Selektion angewandt, um einen gentechnisch veränderten Organismus anhand neu eingebrachter Eigenschaften (z. B. Antibiotikaresistenz) zu identifizieren.
  • Ein Vakzin ist ein Impfstoff. Dieser besteht aus toten oder abgeschwächten Erregern (oder deren antigenen Determinanten), durch deren Verwendung Immunität gegen diese Pathogene im Körper erzeugt wird.
  • Ein Virus ist ein infektiöses Partikel (keine Zelle!), das aus einer Proteinhülle und aus einem Genom (DNA oder RNA) besteht. Um sich vermehren zu können, ist es vollständig auf die Stoffwechsel der lebenden Zellen des Wirtsorganismus angewiesen (z.B. Bakterien bei Phagen, Leberzellen beim Hepatitis-A-Virus).
  • HIV ist die Abkürzung für Humaner Immundefizienz Virus, dem Auslöser von AIDS. Dabei handelt es sich um einen Retrovirus, dessen genetisches Material aus RNA besteht.
  • Eine Zellkultur ist ein Pool von gleichartigen Zellen, die aus mehrzelligen Organismen isoliert wurden und in künstlichem Nährmedium für Forschungsexperimente im Labor (in vitro) gehalten werden.
  • Kinasen sind Enzyme, die eine Phosphatgruppe von ATP (Adenosintriphosphat) auf andere Enzyme oder chemische Verbindungen übertragen und diese somit phosphorylieren.
  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.
  • Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem von Lebewesen, das Gefahren durch Krankheitserreger abwenden soll. Es schützt vor körperfremden Substanzen und vernichtet anormale (entartete) Körperzellen. Dies wird durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Organe, Zelltypen und chemischer Moleküle vermittelt.
  • Als Endothel bezeichnet man die Zellschicht an der Innenwand von Lymph- und Blutgefäßen.
  • Die Zelldifferenzierung bezeichnet die Spezialisierung von Zellen in Bezug auf ihre Funktion und ihre Struktur. So entstehen aus undifferenzierte Stammzellen verschiedene Zelltypen wie Herzmuskel-, Nerven- oder Leberzellen, die ganz unterschiedlich ausssehen und verschiedene Aufgaben erfüllen.
  • Der Epidermale Wachstumsfaktor (Abk. EGF für Epidermal Growth Factor) ist ein Protein, das als Signalmolekül bei der Einleitung der Zellteilung auftritt. Das EGF-Protein bindet dabei an Rezeptoren auf der Zelloberfläche, die als Epidermal Growth Factor Receptors (EGFRs) bezeichnet werden. Das Zusammenspiel von EGF mit seinen Vorläuferproteinen und Rezeptoren gehört zu den bestuntersuchten Signaltransduktionswegen im Bereich der Krebsforschung.
  • Ein Polymer ist eine aus gleichartigen Einheiten aufgebaute kettenartige oder verzweigte chemische Verbindung. Die meisten Kunststoffe sind Polymere auf Kohlenstoffbasis.
  • Zytokine sind regulatorisch wirkende Proteine oder Glykoproteine. Sie sind verantwortlich für das Wachstum und die Differenzierung von Körperzellen und dienen auch ihrer Kommunikation untereinander, so zum Beispiel bei Immunreaktionen. Zu den Zytokinen gehören Interferone, Interleukine, Tumornekrosefaktoren, koloniestimulierende Faktoren und Chemokine.
  • Eine Hepatitis ist eine Entzündung des Lebergewebes mit nachfolgender Zellschädigung. Sie macht sich zunächst durch grippale Erscheinungen bemerkbar, wie Glieder- und Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Druck in der Magen- und Lebergegend und Fieber, später gehört die Gelbsucht zur Symptomatik. Verantwortlich dafür können Viren, Bakterien oder Parasiten sein, ebenso wie Autoimmunerkrankungen, Medikamente, Alkohol oder Chemikalien. Häufigste Ursache sind jedoch Viren, wobei man fünf Virustypen unterscheidet, die mit den Buchstaben A, B, C, D und E bezeichnet werden.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.
  • Als Transplantation bezeichnet man die Verpflanzung eines Transplantates (Zellen, Gewebe Organe). Es gibt verschiedene Transplantationsarten, die sich nach Herkunft, Funktion und Ort einteilen lassen. So wird bei einer xenogenen Transplantation ein Organ einer anderen Art transplantiert, während dagegen bei einer allogenen der Spender von einer Art stammt. Daneben gibt es noch die autologe Transplantation, bei der Spender und Empfänger dasselbe Individuum sind. Ist der Spender der eineiige Zwilling so spricht man von einer syngenen Transplantation. Eine alloplastische Transplantation wird das Transplantieren von künstlichem Material genannt. Bei Transplantationen werden Immunsuppressiva verabreicht, um die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegenüber Fremdstoffen zu unterbinden und damit das Transplantat im Körper zu erhalten. Die Zulässigkeit der Organspenden wird durch das Transplantationsgesetz (TPG) seit 1997 in Deutschland geregelt. Tritt Hirntod ein, muss ein Familienangehöriger der Entnahme zustimmen oder ein entsprechender Organspendeausweis des Spenders vorliegen. Am Häufigsten werden heutzutage Niere, Augenhornhaut, Herz und Leber transplantiert.
  • Als Endothelzellen werden die Zellen der inneren Wand von Lymph- und Blutgefäßen bezeichnet. Sie bilden eine regulierbare semi-permeable Barriere zwischen Gefäßlumen und Gewebe.
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