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Seit März dieses Jahres setzt die Klinik für Thoraxchirurgie, die im November 2008 am Konstanzer Klinikum etabliert wurde, ein neuartiges Laserskalpell ein. Mit diesem neuen Instrument werden Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren aus der Lunge entfernt. Für den leitenden Arzt Dr. Thomas Kiefer bedeutet dies ein Eröffnen zahlreicher neuer Möglichkeiten, die aufgrund fehlender Kenntnisse leider nicht überall ausgeschöpft werden.
Bei rund 30 Prozent aller behandelten Krebspatienten bilden sich Jahre später Metastasen in der Lunge. Zwei Charakteristika von Lungenmetastasen sind: Sie treten häufig in großer Zahl auf und sie können wiederkommen. In beiden Fällen ist es essenziell, so viel gesundes Lungengewebe wie irgend möglich zu erhalten, um auch 30 oder 40 Metastasen drei, vier oder mehr Male operieren zu können. Anders als in der Vergangenheit ist deren Diagnose heutzutage nicht mehr mit einem Todesurteil gleichzusetzen, denn mithilfe modernster Lasertechnologie können die bösartigen Geschwülste auf sanfte Art und Weise beseitigt werden. Dieses Verfahrens bedient sich auch die Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikum Konstanz. Am 5. März wurden dort die ersten Patienten mit dem von der Tuttlinger Medizintechnik-Firma Gebrüder Martin entwickelten Laser ND:YAG MY40 (Neodym: Yttrium-Aluminium-Granat-Laser) behandelt.
Wie Dr. Thomas Kiefer, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie erklärt, ermöglicht das innovative Verfahren die Behandlung „ehemals als inoperabel eingestufter Patienten“ und bringt somit insbesondere eine deutliche Steigerung der Lebenserwartung bei nahezu unverminderter Lebensqualität für den Betroffenen mit sich. „Die Vorteile für den Patienten liegen darin, dass neben dem sehr präzisen Schneiden im gleichen Arbeitsgang das Lungengewebe luft- und flüssigkeitsdicht versiegelt werden kann“, sagt der Konstanzer Mediziner, der vor seinem Engagement als Chefarzt in der neu gegründeten Klinik für Thoraxchirurgie in Konstanz über neun Jahre den Aufbau des interdisziplinären Lungenzentrums am Ortenau-Klinikum in Offenburg leitete. Unter anderem kann bei diesem Operationsverfahren auf Nähte verzichtet werden, die häufig zu einer Raffung des Gewebes führen. „Nähte oder Klammern beanspruchen gesundes Lungengewebe, das in diesem Fall für die Atmung verloren geht“, erklärt Kiefer.
Der moderne Laser arbeitet mit einer Wellenlänge von 1.318 Nanometern und ist speziell auf die biophysikalischen Eigenschaften der Lunge ausgerichtet. Er ermöglicht die Entfernung einer großen Anzahl von Metastasen (mehr als 150) von Reiskorn- bis Tennisballgröße, sowohl zentral aus dem Parenchym oder aus den Strukturen der Hilusregion unter Lappen- und weitgehendem Parenchymerhalt. Auch tief liegende Metastasen und Tumoren können unter Erhalt betroffener Segmente oder Lappen herauspräpariert werden. Neben bluttrockenen und fisteldichten Resektionsflächen sowie einer Wiederholbarkeit von Eingriffen bei Rezidiven sind flexible, aber mechanisch feste Koagulationszonen gegeben, wodurch die Naht der Pleura visceralis zur doppelten Sicherheit verwendet werden kann. „Die Wirkungsweise dieses speziellen Lasers wurde von unserem klinischen Partner in über zehnjähriger Forschungsarbeit erforscht“, sagt Uwe Ott, Produktmanager des Herstellers Gebrüder Martin GmbH & Co. KG. Wie in der Medizin üblich, wurde die Methode zuerst im Tierversuch getestet und nach entsprechender Auswertung der Ergebnisse als alternative Methode zur Teilresektion der Lunge eingesetzt. Uwe Ott zufolge wird in der Bundesrepublik derzeit in mehr als 60 Zentren mit dem Gerät gearbeitet.

Weitere Informationen zum Beitrag:
Dr. med. Thomas Kiefer
Klinik für Thoraxchirurgie
Klinikum Konstanz
Luisenstraße 7
78464 Konstanz
Tel: +49 (0)7531 / 801 - 1901
E-Mail: lungenzentrum(at)klinikum- konstanz.de
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