-»Diese Ausgabe ist für Browser ohne zureichende CSS-Unterstützung gedacht und richtet sich vor allem an Sehbehinderte. Alle Inhalte sind auch mit älteren Browsern voll nutzbar. Für eine grafisch ansprechendere Ansicht verwenden Sie aber bitte einen moder
Beginn Sprachwahl
Beginn Inhaltsbereich
Beginn Navigator
Ende Navigator
Krebs, Diabetes und Übergewicht haben eines gemeinsam: Sie verändern den zellulären Stoffwechsel. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg und der Medizinischen Universität Wien haben zusammen mit einem internationalen Forscherteam einen neuen Signalweg für den Zellstoffwechsel aufgeklärt. Demnach ermöglicht das Protein Hedgehog über einen bislang unbekannten Signalweg, dass Muskelzellen und braune Fettzellen unabhängig von Insulin Zucker aufnehmen können. Substanzen, die den Signalweg selektiv aktivieren, könnten demnach zur Behandlung von Übergewicht und Diabetes angewandt werden. Mit ihren Ergebnissen können die Forscher auch erklären, warum verschiedene neue Wirkstoffe gegen Krebs in klinischen Studien starke Nebenwirkungen ausgelöst haben.
Hedgehog-Hemmstoffe hungern auf diese Weise Krebszellen förmlich aus. Überraschenderweise stimulieren die klassischen Hedgehog-Hemmer sowohl den alten als auch den neuen Signalweg. Dieser Befund könnte bisherige Forschungsergebnisse in einem neuen Licht erscheinen lassen. Die Aktivierung von Hedgehog und dem Smo-Kalzium-AMP-Kinase-Signalweg stört ab- und aufbauende Stoffwechselwege. „Eine aktive AMP-Kinase und verstärkter Stoffabbau könnte den Gewichtsverlust der Probanden in den klinischen Studien erklären. Insbesondere führt der Einstrom von Kalzium in Muskelzellen aber dazu, dass die Zellen kontrahieren und so Krämpfe auslösen“, erklärt Andrew Pospisilik vom Freiburger Max-Planck-Institut. Hedgehog-Hemmstoffe führen aber nicht zwangsläufig zu solchen Nebenwirkungen. „Wir haben die Wirkung verschiedener Substanzen auf Smo mit getestet und herausgefunden, dass es Hemmstoffe gibt, die die Kalzium- und Glukose-Werte nicht ansteigen lassen und keine Krämpfe hervorrufen. Die Entwicklung solcher Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen ist also durchaus möglich“, sagt Pospisilik.
Außerdem entdeckten die Wissenschaftler, dass die Fettzellen deutlich mehr Glukose aufnehmen können – unabhängig von Insulin. Glukose-Toleranztests an Mäusen bestätigten den Befund. Dabei wird den Tieren eine festgelegte Menge Glukose über die Nahrung verabreicht und danach die Glukosekonzentration im Blut gemessen. Mäuse, die zuvor mit dem klassischen Hedgehog-Hemmer Cyclopamin behandelt wurden, hatten demnach weniger Glukose im Blut als unbehandelte Tiere. Offenbar erhöht Cyclopamin die Glukose-Aufnahme aber nur in braunem Fettgewebe und verschiedenen Muskelgewebe-Typen. So maßen die Forscher eine Erhöhung der Körpertemperatur um ein Grad – ein Zeichen verstärkter Aktivität von braunem Fettgewebe.
„Wirkstoffe, die nur den Smo-Kalzium-AMP-Kinase-Signalweg von Hedgehog aktivieren, sind also Kandidaten für Medikamente gegen Übergewicht sowie Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Ähnlich wie die unselektiven Hedgehog-Hemmer besitzen sie das Potenzial, Muskelkrämpfe hervorzurufen. Dank unserer Ergebnisse wissen wir nun, dass ein neuer Wirkstoff zuerst an Muskelzellen getestet werden muss, bevor er an Menschen zum Einsatz kommt“, sagt Harald Esterbauer von der Medizinischen Universität Wien.

Literatur:
Raffaele Teperino, Sabine Amann, Martina Bayer, Sean L. McGee, Andrea Loipetzberger, Timothy Connor, Carsten Jaeger, Bernd Kammerer, Lilli Winter, Gerhard Wiche, Kevin Dalgaard, Madhan Selvaraj, Jeremy Reiter, Michael Gaster, Robert S. Lee-Young, Mark A. Febbraio, Claude Knauf, Patrice D. Cani, Fritz Aberger, Josef M. Penninger, J. Andrew Pospisilik und Harald Esterbauer: Hedgehog partial agonism drives Warburg-like metabolism in muscle and brown fat
Ansprechpartner:
J. Andrew Pospisilik
Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
Tel.: 07615/ 108 - 757
E-Mail: pospisilik(at)immunbio.mpg.de
Harald Esterbauer
Medizinische Universität Wien
Tel.: +43 14 0400 - 5359
E-Mail: harald.esterbauer(at)meduniwien.ac.at
Beginn Hauptnavigation
Ende Hauptnavigation
für Unternehmen und Forschungseinrichtungen