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Wie fragil ist doch der Mensch. Eine einzige Genmutation reicht aus, und seine Schaltzentrale, das Gehirn, entwickelt sich falsch. Privatdozentin Dr. Deborah Morris-Rosendahl und ihr Team von der Universitätsklinik Freiburg untersuchen unterschiedlich schwere genetisch bedingte Missbildungen des Gehirns, die mit dem Sammelbegriff Lissenzephalie bezeichnet werden. Die Wissenschaftler bieten nicht nur den Service einer klinischen Diagnostik, sondern erforschen auch die Ursachen der Krankheit. Und das hilft in Zukunft vielleicht auch zu verstehen, wie die Milliarden von Nervenzellen im gesunden Gehirn ihren richtigen Platz finden.
„Kennen wir die genetischen Fehler, die zur Lissenzephalie führen, dann können wir den Eltern eine Pränataldiagnostik anbieten und somit feststellen, ob ihre nächsten Kinder auch gefährdet sein könnten“, sagt Morris-Rosendahl. Mehr als 12 Gene sind heute bekannt, die mit der Lissenzephalie in Verbindung stehen. Unterschiedliche Mutationen in den entsprechenden DNA-Sequenzen führen zu unterschiedlich ausgeprägten Missbildungen des Kortex. Bei einigen Patienten fehlen nur eine oder zwei der Gehirnwindungen, bei anderen fehlen alle. Oft mischen sich die Symptome auch mit anderen, zum Beispiel einem insgesamt zu kleinen Gehirn, mit einem zu kleinen Kleinhirn oder einem falsch ausgebildeten Corpus callosum, der die zwei Gehirnhälften verbindet. „Eine unserer Hauptaufgaben besteht darin, die konkreten Missbildungen auf dem MRT-Bild eines Patienten mit dessen Genotyp in Verbindung zu bringen“, sagt Morris-Rosendahl. „Dadurch können wir bei vielen neuen Patienten aufgrund der MRT-Bilder vorhersagen, welche Gene mutiert sein könnten.“
„Heute wissen wir, dass einige der bekannten Gene auch für die erste Entwicklungsphase des Gehirns wichtig sind“, sagt Morris-Rosendahl. „Außerdem sind auch die Endfortsätze der Nervenzellen betroffen. Wahrscheinlich gibt es also auch Störungen bei der Kontaktaufnahme zwischen Neuronen während des dritten Entwicklungsstadiums.“ Ein Beispiel für die gestörte erste Phase liefern Mutationen im Gen PAFAH1B1 (auch LIS1 genannt). Dieses Gen codiert für ein mikrotubuliassoziiertes Protein, das die Funktionsweise der Microtubuli beeinflusst. Das kommt nicht nur beim Wanderverhalten der Zellen zum Tragen, sondern auch, wenn sich das Zellskelett während der Zellteilung der neuronalen Vorläuferzellen zur sogenannten Mitosespindel umbildet. Die Mitosespindel hilft, die verdoppelten Chromosomen sauber auf die zwei Tochterzellen aufzuteilen und die Kernteilung zu organisieren. Ist dieser Vorgang gestört, teilen sich die neuronalen Vorläufer in der falschen Ebene. Es gibt dann insgesamt nicht genug Neuronen und ein etwas kleineres Gehirn.

Weitere Informationen zum Beitrag:
PD Dr. rer. nat. Deborah Morris-Rosendahl
Institut für Humangenetik
Universitätsklinik Freiburg
Breisacher Str. 33
D–79106 Freiburg i. Br.
Tel.: +49-(0)761/270-7027 (-7028)
Fax: +49-(0)761/270-7041
E-Mail: deborah.morris-rosendahl(at)uniklinik-freiburg.de
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