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15.08.2010

Der Retter der weißen Kaninchen

Als der Mediziner und Biochemiker Dr. Stefan Fennrich den Anruf bekam, fand er sofort Gefallen an der Idee: Anstatt mit Tierversuchen wird in Zukunft mit menschlichem Blut im Reagenzglas experimentiert. „Das ist ein richtiger Knaller“, meint der begeisterte Mediziner. In Feierabendstimmung waren Forscher der Universität Konstanz, die Professoren Thomas Hartung und Albrecht Wendel, auf dieses, in Fachkreisen als bahnbrechende Idee gesehenes, Pyro-Detect-System gekommen.

Porträtfoto von Dr. Stefan Fennrich
Mediziner Dr. Stefan Fennrich entwickelte das neue Pyro-Detect-System.  (© Hanser/Südkurier)

Fennrich stieß 1997 dazu und übernahm bis 2005 die Leitung der Entwicklungsgruppe am Konstanzer Lehrstuhl für Biochemische Pharmakologie. Der 53-jährige Fennrich kann damit als Retter von Kaninchen angesehen werden. „Mit dieser Ersatzmethode für Tierversuche können jährlich zirka 200.000 Kaninchenleben in Europa gerettet werden“, sagte Fennrich. Das Ziel des neuen Verfahrens soll nach Angaben des Mediziners „die weltweite Anwendung und der Tierschutz sein“.

Hintergrund der Idee ist, dass Injektionen von Arzneimitteln täglich notwendig sind. Dabei können jedoch Pyrogene in den Organismus mitgespritzt werden. Diese hitzestabilen Bestandteile von Bakterien stellen für den Menschen eine große Gefahr dar. Sie sind als Verunreinigungen der Injektionsinstrumente gefürchtet. „Pyrogene können Fieber, Kreislaufversagen, Multiorganversagen, Schock und im schlimmsten Fall den Tod herbeiführen“, erklärte der Forscher. Deswegen wird vom Gesetzgeber weltweit die Prüfung auf Pyrogenfreiheit vorgeschrieben. Das wurde bislang mit dem Kaninchen-Pyrogentest untersucht. Den Tieren wird das zu prüfende Medikament ins Blut injiziert, daraufhin werden sie für den Test in winzigen Käfigen fixiert und ihre Temperatur über den gesamten Zeitraum rektal gemessen.

Dr. Stefan Fennrich sieht neben dem Tierversuch auch noch ein weiteres Problem: „Kaninchen können bei Stress ähnliche Reaktionen aufzeigen, sodass der Test nicht mehr aussagekräftig ist.“ Das Pyro-Detect-Vefahren dagegen nutzt menschliches Blut als Sensor. „Mit dieser Methode wird im Blut von Blutspendern ein Fieber auslösendes Molekül im Labor nachgewiesen. Und das nicht nur ohne Tierversuch, sondern sogar in der richtigen Spezies, nämlich dem Menschen“, sagte der Mediziner. Er berichtet, dass für die Entwicklung des Pyro-Detect-Systems zwar ebenfalls Kaninchen verwendet wurden, jedoch nur Versuchstiere, die von der Industrie bereits für den Kaninchen-Pyrogentest verwendet worden waren.

Im Mai 2010 wurde das neuartige Verfahren nach fünfzehn Jahren Entwicklung in das Europäische Arzneibuch als Alternative zum Kaninchen-Pyrogentest eingeführt. Laut Stefan Fennrich war es nicht einfach, den Kaninchen-Test, der sich über Jahrzehnte bewährt hat, zu ersetzen. Der 53-jährige ist inzwischen Studienleiter für Blutverträglichkeitsprüfungen im Forschungslabor der Kinderherzchirurgie am Universitätsklinikum Tübingen.

Ein weiterer Erfolg, den Stefan Fennrich verbuchen konnte: Der Pyro-Detect-Test kann mittlerweile auch für andere Anwendungsgebiete genutzt werden, wie die Messung von Luftqualität. Dabei soll es nicht bleiben. Der Forscher und Entwickler plant bereits eine Erweiterung des Anwendungsgebiets. Neben injizierbaren Arzneimitteln und der Luftqualität soll die Methode auch auf Medizinprodukte, etwa Herzklappen oder Gefäßprothesen, und zelluläre Therapeutika wie Knorpelzell-Transplantationen angewendet werden. Dr. Stefan Fennrich arbeitet immer noch eng mit der Universität Konstanz zusammen. Er „möchte diese Brücke auch beibehalten, da hier der Geburtsort des Pyro-Detect ist“.

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SÜDKURIER, Nina Büchle (16.06.10) - mst - 15.08.2010

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