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Einfach und genial - diese Formel hat schon oft den entscheidenden Fortschritt gebracht. So auch bei der Tübinger Wissenschaftlerin Dr. Lusine Danielyan. Sie hat eine Methode entwickelt, um Tieren ohne Spritzen und Operation therapeutische Zellen zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen zu verabreichen: Die Tiere atmen die Zellsuspension einfach ein. Dafür erhielt sie im September 2009 den baden-württembergischen Forschungspreis für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch.
Das Land Baden-Württemberg würdigt und fördert diese wissenschaftlichen Anstrengungen, indem es jährlich einen Forschungspreis für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch ausschreibt. Er ist mit bis zu 25.000 Euro dotiert und ging 2009 zu gleichen Teilen an zwei Wissenschaftler in Ulm und in Tübingen.
Am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Uni Tübingen arbeitet Dr. Lusine Danielyan. Sie leitet das zellbiologische Labor der Abteilung für Klinische Pharmakologie. Den Forschungspreis erhielt sie für die Entwicklung eines innovativen und schonenden Verfahrens bei der Arbeit mit Versuchstieren, genauer gesagt mit Mäusen und Ratten. Sie werden unter anderem eingesetzt, um einen Weg zu finden, schwere neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose und Huntington zu heilen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Behandlung mit therapeutischen Stammzellen. Um sie an ihren Wirkort im Gehirn zu bringen, wurden sie den Tieren bisher meist operativ transplantiert.
Der Erfolg hat sich in Fachkreisen schnell herumgesprochen: Hunderte von Arbeitsgruppen haben die Methode inzwischen aufgegriffen, wie Danielayn sagt, „darunter Teams aus USA, China, Korea und Holland". Eine schonende und gut funktionierende Applikation ist jedoch nur eine Seite der Erfolgsmedaille. Die andere ist die Frage nach der Wirkung. Auch hier kann Danielyan Positives vermelden: „Wir sehen unglaubliche therapeutische Effekte. Bisher haben wir mit mesenchymalen Stammzellen aus dem Knochenmark gearbeitet und festgestellt, dass sie tatsächlich lange Zeit, das heißt bis zu einem halben Jahr überleben." Und das ist viel, bedenkt man die im Vergleich zum Menschen deutlich kürzere Lebensspanne der Nager.
Auch mit Gliazellen und mit neuralen Vorläuferzellen fanden bereits erste Versuche statt. „Es scheint zu funktionieren, aber es ist noch zu früh, um etwas über die therapeutischen Effekte mit diesen Zellen zu sagen", sagt Danielayn, die mit ihrer Gruppe das Thema intensiv weiter bearbeitet. Dabei kooperiert sie mit der Forschergruppe von William H. Frey, dem Direktor des renommierten Alzheimer Research Center in St. Paul, USA. „Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung mit intranasalen Applikationen und hatte bei Alzheimer bereits Erfolg mit der Gabe von Insulin. Es kann ebenfalls auf diesem Weg ins Gehirn gelangen und so die kognitiven Fähigkeiten verbessern. Wir sind sehr froh über Freys Unterstützung und publizieren auch gemeinsam", so Danielyan.
Bis die nasale Stammzell-Applikation am Menschen klinisch erprobt werden kann, wird es trotz aller Fortschritte noch dauern. Etwa fünf Jahre schätzt Danielyan. Zum Beispiel muss noch untersucht werden, wie die nasale Schleimhaut auf eine Dauergabe von Zellen reagiert. Forschungen zur therapeutischen Effizienz der nasal verabreichten Stammzellen bei bestimmten Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer laufen bereits und sollen noch weiter ausgebaut werden. Die klinischen Studien will Danielyan später gemeinsam mit einem Pharmaunternehmen angehen, das die immensen Kosten stemmen kann. „Der Weg über Studien bis zur Zulassung ist ohne die Industrie nicht zu schaffen", so die Wissenschaftlerin.

Weitere Informationen:
Universität Tübingen
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Abteilung für Klinische Pharmakologie
Dr. Lusine Danielyan
Otfried-Müller Str.45
72076 Tübingen
Tel.: 07071 29-74926
E-Mail: lusine.danielyan(at)med.uni-tuebingen.de
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