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Die VolkswagenStiftung finanziert die nächsten maximal acht Jahre eine „Lichtenberg-Professur“ an der Universität Tübingen. Der Kardiologe Dr. Harald Langer erforscht mit molekular- und zellbiologischen Methoden, wie das Immunsystem die Entstehung von Arteriosklerose beeinflusst. Das soll die Basis für neuartige therapeutische Ansätze liefern.
Attraktive Förderprogramme tragen ihren Teil dazu bei, dass immer mehr hervorragende deutsche Wissenschaftler aus den USA zurückkehren. Eines dieser Programme ist die „Lichtenberg-Professur“ der VolkswagenStiftung. Die VolkswagenStiftung gab Mitte August 2010 bekannt, dass eine von vier neuen Lichtenberg-Professuren in den Life Sciences Deutschland an den Tübinger Kardiologen Dr. Harald Langer geht. Seit 2003 finanziert die Stiftung unter diesem Label bis zu zehn neue Professuren pro Jahr an deutschen Hochschulen. Der Förderzeitraum beträgt maximal acht Jahre, wobei die jeweilige Hochschule von vornherein garantieren muss, die Professur im Fall einer erfolgreichen Evaluation weiter zu finanzieren. Die Zusage der Universität Tübingen hatte Dr. Harald Langer bereits in der Tasche, als er sich von der Ostküste der USA aus bewarb. Langer forschte seit 2007 am renommierten National Cancer Institute des National Institute of Health (NIH) in Bethesda, USA.
Langer hatte in Magdeburg und München Medizin studiert, wobei er während seines praktischen Jahres am Klinikum rechts der Isar in München die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Meinrad Gawaz kennen und schätzen lernte. „Die experimentelle Kardiologie hat mich schon immer fasziniert“, bekennt Langer. Noch in München begann er seine sechsjährige Facharztausbildung als Kardiologe, die er in Tübingen weiterführte, nachdem er Gawaz hierher gefolgt war. Langers Forschungsschwerpunkt waren molekularbiologische Untersuchungen auf dem Gebiet der vaskulären Biologie, die (Patho-) Physiologie von Thrombozyten und Vorläuferzellen.
Bereits 2004 erhielt Langer für seine Arbeiten den Gotthard-Schettler-Preis der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung, 2005 folgte der August Wilhelm und Liselotte Becht-Forschungspreis der Deutschen Stiftung für Herzforschung. Mit seinen ausgezeichneten Ergebnissen bekam Langer problemlos ein zweijähriges Stipendium der German Academy of Sciences, der früheren Leopoldina-Stiftung. Sie finanzierte Langer einen zweijährigen Postdoc-Aufenthalt am NIH, das ihn danach aus eigenen Mitteln weiterbeschäftigte, bis er vor einigen Monaten nach Deutschland und nach Tübingen zurückkehrte.
„Die dendritischen Zellen des Immunsystems kennt man erst seit wenigen Jahren. In den Gefäßwänden und zum Beispiel auch in den Herzklappen sind sie relativ häufig. Die Zellen stehen am Anfang der Immunantwort und können diese auch modulieren. Wir wissen, dass es einen starken inflammatorischen Aspekt bei der Arteriosklerose gibt und dass die dendritischen Zellen dem Immunsystem Antigene präsentieren, die an der Arteriosklerose beteiligt sind“, erklärt Langer. Die Zusammenhänge sind allerdings noch weitgehend unbekannt. „Im letzten Jahr gab es zwei Veröffentlichungen zur Rolle der dendritischen Zellen bei Arteriosklerose, die gegensätzliche Ergebnisse zeigten“, bestätigt Langer.
Er hofft, mit seiner Arbeit mehr Klarheit zu schaffen und will die Vorgänge in vivo mit Mausmodellen untersuchen. „Wir wollen dendritische Zellen spezifisch depletieren, also in ihrer Funktion unterdrücken und darüber spezifische Effekte nachweisen“, sagt Langer. Dafür ist ein vertieftes Verständnis der Immunologie nötig, das Langer zum Teil bereits mitbringt und zum Teil mit Unterstützung der Tübinger Immunologen weiter ausbauen will. „Ich habe bereits seit längerem Kontakt mit Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee, mit dem ich gerne enger kooperieren möchte“, so Langer. Damit unterstreicht er den interdisziplinären Ansatz seiner Professur, der eines der entscheidenden Auswahlkriterien für die Stiftungsprofessur war. Auch die Universität und ihr Klinikum begrüßen das Konzept, mit dem Langer biologische und medizinische Fragestellungen verknüpft. „Die Fakultät und das Dekanat haben mich bereits bei dem Antrag zur Lichtenberg-Professur hervorragend unterstützt“, bekräftigt Langer.
Lichtenberg-Professuren
Seit 2003 fördert die VolkswagenStiftung im Rahmen ihrer „Lichtenberg-Professuren“ bis zu zehn neue Professuren pro Jahr an deutschen Hochschulen. Das Programm steht in- und ausländischen Nachwuchswissenschaftlern offen. Sie sollten nach ihrer Promotion bereits Erfahrung in der Forschung gesammelt haben und ein innovatives, interdisziplinäres Thema bearbeiten. Bewerbungsschluss ist der 1. November jeden Jahres. Die VolkswagenStiftung hat die „Lichtenberg-Professuren“ nach dem Göttinger Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) benannt, der die erste deutsche Professur für Experimentalphysik innehatte.

Weitere Informationen:
Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik und Poliklinik Tübingen
Abteilung Innere Medizin III
Kardiologie und Kreislauferkrankungen
Dr. Harald Langer
Otfried-Müller-Str. 10
72076 Tübingen
Tel.: 07071 29-82712
E-Mail: harald.langer(at)med.uni-tuebingen.de
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