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Forschen mit Kind: Stiftung erleichtert Anfangsphase

Im August 2004 wurde die deutsche Förderlandschaft um eine besondere Stiftung ergänzt: Die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung unterstützt junge begabte Naturwissenschaftlerinnen, die Karriere und Kinder unter einen Hut bekommen wollen.

Logo Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung
Drei Dinge müssen zusammen kommen: Wissenschaftliche Exzellenz, persönlicher Ehrgeiz und der feste Wille, beides mit der Realisierung des Kinderwunsches zu kombinieren.
Porträt von Dr. Brigitte Walderich, der Geschäftsführerin der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung.
Dr. Brigitte Walderich, die Geschäftsführerin der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung (© privat)
Dann haben Frauen, die schwanger sind oder gerade ein Kind bekommen haben, Förder-Chancen bei der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung. Voraussetzung ist allerdings, dass der Lebensunterhalt der Frauen bereits gesichert ist, das heißt, sie müssen eine Stelle oder ein Stipendium haben. Bei der Stiftung können die Frauen eine zusätzliche monatliche Zuwendung von 400 Euro beantragen. „Das ist ungefähr der Betrag, den man für eine Tagesmutter rechnen muss“, sagt Dr. Brigitte Walderich, die Geschäftsführerin der Stiftung. Es bleibt den jungen Müttern überlassen, wie sie die Mittel einsetzen - Hauptsache, es entlastet sie von ihren häuslichen Aufgaben. Sie können mit dem Geld auch Geräte wie Spül- oder Waschmaschine anschaffen oder eine Haushaltshilfe einstellen.

Bewerben können sich alle Frauen, die an deutschen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen experimentell im Bereich der Naturwissenschaften oder der Medizin arbeiten, sei es als Doktorandin oder als Post-Doktorandin. Dabei liegt die Betonung auf experimentell. „Theoretische Arbeiten können zu einem großen Teil auch zu Hause durchgeführt werden, was die Situation der Frauen grundsätzlich erleichtert. Wir fördern gezielt die Frauen, die gezwungen sind, für ihre Tätigkeit außer Haus zu gehen, und die deshalb besonders auf Hilfe bei Haushalt und Kinderbetreuung angewiesen sind“, sagt Walderich.

Spitzentalente sollen nicht brachliegen

Die geforderte Exzellenz macht die Unterstützung in erster Linie zu einer Wissenschafts- und in zweiter Linie zu einer Frauenförderung. Das ist gewollt, denn die Stiftung verfolgt das Ziel „dass sich in Zukunft mehr hochqualifizierte Frauen an der Spitzenforschung in Deutschland beteiligen können“, wie es auf der Stiftungshomepage heißt. Die Stiftung ist also an einer Win-Win-Situation interessiert: Die Wissenschaft gewinnt gute Köpfe und die Frauen müssen ihre Leidenschaft und vielversprechende Karriere nicht aufgeben oder unterbrechen. „Schon nach einer zweijährigen Pause kann das Projekt weg sein und bei Zeitmangel leidet es zumindest“, so Walderich.

Beim Kampf gegen diese Misere hat die Nobelpreisträgerin und Chefin des Tübinger Max-PIanck-Instituts (MPI) für Entwicklungsbiologie Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard zwei Mitstreiterinnen, die mit ihr den Stiftungsvorstand bilden. Professor Dr. Maria Leptin arbeitet heute am Institut für Genetik der Universität Köln und kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. Sie war Anfang der 90er Jahre die erste Wissenschaftlerin, die am MPI für Entwicklungsbiologie schwanger wurde und direkt nach dem Mutterschutz wieder ihre Arbeit aufnahm. „Anfangs hat sie ihr Kind zur Arbeit mitgebracht und später mit einer Kollegin die Kindergruppe Planckton e.V. gegründet, die sich auf dem Campus der Max-Planck-Institute befindet und sehr erfolgreich arbeitet“, sagt Walderich. Die Pharmazeutin Dr. Brigitte Mühlenbruch ist die dritte im Bunde und bringt allein schon durch ihre Arbeit als Vizepräsidentin der European Platform of Women Scientists EPWS viel Erfahrung mit.
Gruppe von Menschen, vorwiegend Frauen. Sie stehen in einem Park und halten Sektgläser in den Händen.
In lockerer Atmosphäre treffen sich einmal im Jahr die geförderten Frauen, Sponsoren und Gutachter. (© Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung)

Wer wirklich gut ist, wird auch gefördert

Die Auswahl der Kandidatinnen übernehmen meist Nüsslein-Volhard und Leptin. „Sie beurteilen das Bewerbungsschreiben, den Lebenslauf, die Gutachten und die wissenschaftlichen Zusammenfassungen. Wer die Gutachten verfasst, entscheiden die Bewerberinnen, meist sind es ihre jetzigen oder ehemaligen Betreuer“, sagt Walderich. Wenn die Frauen aufgrund ihrer Unterlagen in die engere Wahl kommen, werden sie zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Gefördert wird schließlich, wer im Gesamteindruck überzeugt.

Eine Obergrenze an Zusagen pro Bewerberrunde gibt es nicht, wie Walderich betont: „Glücklicherweise haben wir genügend finanzielle Mittel, um auch mal mehr begabte Frauen zu fördern als üblich, das war erst im letzten Sommer der Fall.“ Insgesamt wird die Stiftung nicht gerade mit Anträgen überschüttet. Deshalb reichen die Gelder, obwohl die Stiftung mit einem Vermögen von zurzeit rund 550.000 Euro eher zu den kleinen Institutionen ihrer Art gehört. Waren es in den ersten drei Jahren zwischen 20 und 30 Bewerberinnen pro Halbjahr, sind es jetzt, nachdem auch Post-Doktorandinnen gefördert werden, rund hundert pro Halbjahr. Walderich wundert sich nicht über den geringen Andrang: „Es gibt nur wenige Frauen, die tatsächlich so ehrgeizig sind, dass sie keine Babypause machen wollen. Die meisten Frauen wollen zumindest ein Jahr mit ihrer Arbeit pausieren.“ Das und der Exzellenzanspruch schränken den Kreis der Bewerberinnen von vornherein ein.

Viel Unterstützung von privater Seite, aber auch durch Institutionen und Industrie

Natürlich ist es sehr befriedigend, wenn alle geeigneten Kandidatinnen auch wirklich gefördert werden können. Das verdankt Nüsslein-Volhard der Unterstützung durch private Spender und der großzügigen Förderung von Doktorandinnen durch die Max-Planck-Gesellschaft. Die Förderung von Post-Doktorandinnen wurde durch eine Allianz mit der deutschen UNESCO-Kommission, der Robert-Bosch-Stiftung und L’Oréal Deutschland ermöglicht.

Während die ersten beiden Institutionen für Fördermaßnahmen bekannt sind, mutet L’Oréal in diesem Kreis zunächst fremd an. Was bewegt eine Firma, die sich ansonsten eher für die Schönheitsaspekte des Frauenlebens interessiert, dazu, Spitzenforscherinnen zu unterstützen? „L’Oréal setzt sich nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch außerhalb dafür ein, dass Frauen in Führungspositionen zum Zuge kommen“, so Walderich. Dass die Firma weibliche Spitzenleistung honoriert, beweist unter anderem die Verleihung des L’Oréal-UNESCO Award for Women in Science, der 2006 an Nüsslein-Volhard ging.

Stiftung will preisgekrönte Arbeit noch ausdehnen

Für ihre Stiftung erhielt Nüsslein-Volhard im Mai 2007 den Deutschen Stifterpreis vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Mit ausschlaggebend war mit Sicherheit, dass die Stiftung ein Novum, etwas ganz Besonderes ist. Es gibt kaum Stiftungen, die Frauen in der Wissenschaft unterstützen und erst recht keine Stiftungen, die sie für ihre Familienarbeit unterstützen, um ihnen das Forscherleben zu erleichtern“, sagt Walderich.

Wie hilfreich die Unterstützung wirklich ist, zeigt sich bei dem jährlichen Treffen, zu denen neben den geförderten Wissenschaftlerinnen auch die Gutachter und die Geldgeber eingeladen sind. „Wir veranstalten dabei eine Art Mini-Symposium, bei dem die Frauen einen kleinen Vortrag halten. Danach wird stets sehr rege diskutiert. Außerdem dienen die Treffen zum gegenseitigen Kennenlernen und dem Aufbau von fachübergreifenden Netzwerken“, sagt Walderich.

Die nächste Entscheidungsrunde steht im Januar 2008 an, wobei noch bis zum 31. Dezember 2007 Bewerbungen angenommen werden. Da das Geldvolumen der Stiftung nach wie vor steigt, hoffen die Mitglieder, die Förderung noch weiter ausdehnen zu können. „Glücklicherweise ist die Stiftung quasi ein Selbstläufer und wir müssen keine Akquise machen. Das liegt zum größten Teil an der Person von Christiane Nüsslein-Volhard“, betont Walderich.

leh - 25.10.07
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Weitere Informationen zum Beitrag:
Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung
Dr. Brigitte Walderich
(Geschäftsführerin)
Tel.: 07071 601 398
Fax: 07071 601 1398
E-Mail: brigitte.walderich@cnv-stiftung.de
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01.11.2007



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