title_organisation_de

-»Diese Ausgabe ist für Browser ohne zureichende CSS-Unterstützung gedacht und richtet sich vor allem an Sehbehinderte. Alle Inhalte sind auch mit älteren Browsern voll nutzbar. Für eine grafisch ansprechendere Ansicht verwenden Sie aber bitte einen moder

Das Biotechnologie und Life Sciences Portal Baden-Württemberg

Logo Bundesland Baden-Württemberg

Beginn Sprachwahl


Beginn Inhaltsbereich

Beginn Navigator

Sie sind hier:

Ende Navigator



Der Traum von einer Welt ohne Hunger

Die Eiselen-Stiftung mit Sitz in Ulm kämpft gegen eine Geißel der Menschheit, gegen Hunger und Unterernährung. Ältere Europäer kennen diesen Zustand, auch Hermann Eiselen.

In Europa mag die Ernährung gesichert sein. In der südlichen Hemisphäre leiden nach Schätzungen der Nahrungsmittel- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) immer noch mehr als 800 Millionen Menschen unter Hungersnot und Unterernährung.
Das Foto zeigt eine Gruppe afrikanischer Kinder. Die beiden Kinder vorne haben etwas zu essen in der Hand.
Hungernde Kinder, die unbekannte Nahrung essen sollen. Das Bild zeigt wie schwierig Entwicklungshilfe ist. (© Eiselen-Stiftung)

Mit Herz und Verstand für das Menschenrecht Nahrung

Schon in Wirtschaftswunder-Zeiten stieß der Unternehmer seine Landsleute in Ausstellungen auf das Hunger-Problem. Seit den 60er Jahren unterstützte die Familie Eiselen Forschungsvorhaben zur Linderung des Hungers in der Welt an der Universität Hohenheim. 1978 gingen beide „gleichberechtigten Bereiche“ in eine Stiftung ein, die seit 1991 als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts firmiert.
Eine Museumsbesucherin beugt sich über eine Vitrine.
Mit dem Museum für Brotkultur will die Stiftung nach innen wirken. (© Eiselen-Stiftung)
„Wir wirken nach innen, zeigen der Gesellschaft die Bedeutung des Grundnahrungsmittels Brot“, beschreibt Andrea Fadani den kulturellen Auftrag der Stiftung. Sichtbares Zeichen dieses Willens ist das Museum für Brotkultur, das im Herzen Ulms seinen Sitz hat und vom Vater des heute 81-jährigen Stifters Hermann Eiselen 1955 gegründet worden war.

Vierfache Hilfe für die Forschung

Die Eiselen-Stiftung fördert die Wissenschaft in vierfacher Hinsicht. Seit ihrer Gründung sind über zehn Millionen Euro in die Forschungsförderung geflossen. Diplomanden/Master-Studenten, die sich in ihrer Arbeit mit Fragen der Welternährung auseinandersetzen, erhalten Reisekostenzuschüsse bis zu 1.800 Euro. Fadani selbst kennt als ehemaliger Hohenheimer Forscher viele Studienkollegen, die diese Hilfe erhalten haben. Für viele sei der Auslandsaufenthalt ein prägendes Erlebnis gewesen, aus dem sich die Motivation für ein, so hofft die Stiftung, lebenslanges Engagement ergibt.

Ohne grüne Gentechnik keine Lösung

Porträt von Doktor Andrea Fadani.
Stiftungsvorstand Dr. Andrea Fadani.  (© Eiselen-Stiftung)
Zweiter Förderschwerpunkt ist die grüne Biotechnologie, die die Ulmer Stiftung seit 1982 fördert. Bis 1996 flossen aus Ulm rund sechs Millionen Euro in die grüne Gentechnik. Den Anfang machte an der Uni Hohenheim das Schwerpunktprogramm „Angewandte Gentechnik im Dienste der Welternährung“.
Vom jährlichen Budget der Stiftung (250.000 Euro) gehen 100.000 bis 150.000 Euro in die grüne Gentechnik. Sie ist für Eiselen wesentlicher Bestandteil im Kampf gegen den Hunger, den nur eine technisierte Landwirtschaft besiegen könne. Bis zu 30 Doktorarbeiten wurden seither gefördert, drei Professuren in Hohenheim etablierten sich. Die Uni Hohenheim, sagt Fadani, sei in Deutschland der wichtigste Standort in Sachen Pflanzenzüchtung für (Sub-)Tropen.

Die Diskussion zwischen Wissenschaftlern voranzutreiben ist das dritte Förderziel der Stiftung, die Symposien und ähnliche Veranstaltungen sponsert. 2006 beispielsweise erörterten in Hohenheim Forscher die Frage, was die Grüne Gentechnik für die Ernährungssicherung leistet. Auch im thailändischen Chiang Mai trafen sich mit Ulmer Hilfe 2002 Wissenschaftler.

Zwei Wissenschaftspreise als Anreiz

Eine Gruppe von Menschen bei einer Preisverleihung.
Der Stifter inmitten der Ausgezeichneten. Bild von der Verleihung des Knoll-Wissenschaftspreises im Jahr 2006. (© Eiselen-Stiftung)
Schließlich finanziert die Stiftung zwei Wissenschaftspreise. Seit 1986 prämiert der Josef G. Knoll-Wissenschaftspreis herausragende Doktor- und Habilitationsarbeiten, die sich mit Fragen der Welternährung und der Linderung von Unter- und Mangelernährung in Entwicklungsländern beschäftigen. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird ab 2008 an bis zu drei exzellente Arbeiten alle zwei Jahre vergeben. Der jährlich vergebene und mit 7.500 Euro ausgestattete Hans H. Ruthenberg-Graduierten-Preis zeichnet exzellente Diplom- und Masterarbeiten aus, die sich demselben Thema widmen.

Beide Preise sollen einen „großen Anreiz“ schaffen, auf der wissenschaftlichen Karriereleiter mit diesem Thema hochzuklettern. Mittlerweile sei es gelungen, in Göttingen, Halle und Washington Professoren im akademischen Mittelbau zu positionieren. „Anstiften“ nennt Fadani das, wenn Wissenschaftler Feuer gefangen haben für Eiselens Thema.

Keine Hilfe für Elfenbeinturm-Forscher

Förderung jetzt internationaler

Eine Arbeiterin packt auf dem Feld Maniok in Körbe
Bei der Maniok-Ernte. (© Eiselen-Stiftung)
Bis 2001 beglückte die Stiftung nur Forscher der Universitäten Hohenheim, Stuttgart und Ulm, seither sind die Projekte internationaler. Tatsächlich fließen aber weiterhin 60 Prozent der Mittel ins nahe Hohenheim.

Mittlerweile unterstützt die Eiselen-Stiftung Forscher auf der ganzen Welt. Zum Beispiel ein Vorhaben in Nepal zur Verbesserung des Weizens oder ein Vorhaben beim internationalen Forschungszentrum für Gemüseanbau in Taiwan. Aus Ulm kommen auch 100.000 Euro für ein Projekt zum Anbau von gentechnisch verändertem Kohl in Indien, der für die dortige Ernährungssicherung von großer Bedeutung ist.
Aktuell fördern die Ulmer die Arbeiten des deutschen Forschers Wilhelm Gruissem von der ETH Zürich. Dieser unterstützt die Feldversuche an internationalen Forschungszentren in Afrika zur Virusresistenz von Maniok. Diese Pflanze dient 800 Millionen Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika als Grundnahrungsmittel. Mit 250.000 Euro fördert die Stiftung auch ein Projekt, das den Mais trockenresistent machen soll.

Werben um Hirn und Herz

Wie geht es mit der Stiftung weiter? In Deutschland werde es immer schwieriger, nach Dissertationen in entsprechende Berufe zu kommen. Nur dann, wenn die „Leute entsprechend untergebracht“ sind, können sie aber die Idee des Stifters weiterverfolgen, sagt Fadani. Der Stiftungsvorstand appelliert an den Idealismus junger Menschen. „Wer draußen gewesen ist, bekommt mit, dass wir von unserem Planeten nicht fliehen können“ – „Unsere Geförderten haben diesen idealistischen Moment“. Fadanis Aufgabe: „Wie schaffen wir es in den nächsten 20 Jahren, junge Menschen zu engagieren, zu motivieren, die Berufung zu finden, jenseits von Spaß und Belustigung.“

wp, 05.11.2007
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Logo der Region Ulm
16.10.2007



http://www.bio-pro.de/magazin/thema/00149/index.html?lang=de