"Reichtum verpflichtet" oder "Stiften macht Spaß"
Die SAP Gründer Dietmar Hopp, Klaus Tschira und Hasso Plattner haben hohe Beträge in Stiftungen angelegt, die der Förderung naturwissenschaftlicher Ausbildung, medizinischen Fortschritts und der Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft dienen. Die Wahl der geförderten Projekte zeigt Verbundenheit mit der Heimat – zum Nutzen der Metropolregion Rhein-Neckar.
Von dem amerikanischen Stahlmagnaten Andrew Carnegie, seinerzeit der reichste Mann der Welt, stammt das Wort: „Wer reich stirbt, stirbt in Schande“ („The Gospel of Wealth“, 1889). Man sollte dieses Zitat nicht allzu wörtlich nehmen; auch Carnegie, der den größten Teil seines riesigen Vermögens in Stiftungen einbrachte, starb nicht gerade in Armut. Aber dass man von dem in einem produktiven Arbeitsleben angesammelten Reichtum einen Teil der Gesellschaft, in der dieser Erfolg möglich war, zurückgeben soll, ist eine Grundüberzeugung vieler großer privater Stifter - von Carnegie und Rockefeller bis hin zu den drei Gründern des Walldorfer Software-Hauses SAP, Hasso Plattner, Klaus Tschira und Dietmar Hopp.
Die Klaus Tschira Stiftung gGmbH

Villa Bosch Heidelberg (© Klaus-Tschira-Stiftung)
Über Klaus Tschira ist im BIOPRO-Internetportal schon mehrfach berichtet worden. Seine Aktivitäten als Mäzen und Förderer haben den Wissenschaftsstandort Heidelberg mitgeprägt. Als Sitz der gemeinnützigen Klaus Tschira Stiftung gGmbH (KTS), die vor allem Forschungsvorhaben aus den Bereichen der Naturwissenschaften, der Mathematik und Informatik unterstützt, hatte er den in wunderbarer Lage nahe dem Heidelberger Schloss gelegenen repräsentativen früheren Wohnsitz des Chemie-Nobelpreisträgers und Industriellen Carl Bosch erworben und baute sie zu einer renommierten wissenschaftlichen Begegnungsstätte aus. 1997 gründete Tschira hier das European Media Laboratory (EML) als privates Forschungsinstitut für angewandte Informatik. Heute arbeiten in der Villa Bosch auf der finanziellen Basis der KTS insgesamt etwa 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in zwei Instituten, der EML Research für Grundlagenforschung in der Bioinformatik und Computerlinguistik sowie der EML GmbH für angewandte industrienahe Projekte.
Auf dem Campus des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg entsteht zurzeit ein neues, von der KTS mit 10 Mio. Euro unterstütztes Ausbildungs- und Konferenzzentrum für Lebenswissenschaften, das Advanced Training Centre (ATC). Dieses in Europa einzigartige Zentrum, das modernste Einrichtungen für die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs mit einem internationalen Konferenzzentrum verbindet, wird, wenn es 2009 fertig gestellt ist, auch architektonisch herausragen. Das in der Form der DNA-Doppelhelix strukturierte Gebäude hatte Klaus Tschira selbst entwickelt. Für die Ausstattung der Lernlabore des ATC hat das EMBL als Träger auch eine 500.000-Euro-Spende von der Dietmar-Hopp-Stiftung erhalten.

Dr. h. c. Dr.-Ing. E. h. Klaus Tschira (© Klaus-Tschira-Stiftung)
Um Wissenschaftler zu motivieren, über ihre Forschung in verständlicher Weise zu berichten und damit das Verständnis für Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik in der Öffentlichkeit zu erhöhen, stiftete Klaus Tschira einen Preis, um den sich mehr als 130 junge Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler bewarben. Die fünf Preisträger wurden am 11. Oktober 2007 mit einem Festakt in der Alten Aula der Heidelberger Universität geehrt; ihre Artikel werden in einem Sonderheft von „bild der wissenschaft“ veröffentlicht. Am 19. 10. 2007 erfolgte der Spatenstich für das mit 4,1 Mio. Euro von der KTS und der Curt-Engelhorn-Stiftung finanzierte „Klaus-Tschira-Labor“ zur radiometrischen Altersbestimmung, das in das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim eingebettet ist.
Gefragt nach den Motiven seines Engagements als Stifter und Mäzen antwortete Tschira: „Ich wollte jetzt nur noch das tun, was mir persönlich Spaß macht.“ Und das sind für den Physiker vor allem die Naturwissenschaften.
„Was Hänschen nicht lernt...“
Dass man mit Nachwuchsförderung nicht bis zur Hochschule oder auch zum Gymnasium warten darf, sondern beim Kleinkind beginnen muss, ist von den Stiftern früher als Aktionsraum entdeckt worden als von den Bildungspolitikern, für die es zu wenig mehr als zu Lippenbekenntnissen reichte. Wenn man daran denkt, wie bei vielen Kindern die Zeit in den prägenden Vorschuljahren vertändelt wird, weil es an einer gezielten Förderung fehlt, weil spielerisches Lernen unbekannt ist, weil sie noch nie im Wald waren, kein Tier und keine Pflanze in der Natur mit Namen nennen können, so packt einen der Zorn angesichts der scheinheiligen Argumentationen, die von Politikern und Bischöfen gegen den Ausbau von Krippen und Kindergärten und für die staatliche Unterstützung häuslicher Erziehung vorgebracht werden.
Die KTS hat ein Projekt der naturwissenschaftlichen Frühförderung im Kindergarten mit der Pädagogische Hochschule (PH) Heidelberg initiiert und gefördert, das in vier Heidelberger Kindergärten im Frühjahr 2007 unter dem Motto „Mit Kindern die Welt entdecken“ startete. Es geht nicht um Dozieren, sondern um spielerisches Experimentieren, freudiges Lernen, Hinschauen, Fragen und Antworten geben. Begonnen hatte die Initiative mit einem Projekt zur Entwicklung eines Fortbildungskonzeptes für Erzieherinnen und Erzieher, das zur Gründung eines Zentrums für naturwissenschaftliche Frühförderung an der PH führte. Tschira ließ es sich nicht nehmen, mit den Kindern, Eltern und Pädagogen das Projekt in der Städtischen Kindertagesstätte Heidelberg-Kirchheim am 27. Februar 2007 einzuweihen. Sein Motto: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
Die Dietmar-Hopp-Stiftung

Dietmar Hopp (© Dietmar-Hopp-Stiftung)
Auch die Dietmar-Hopp-Stiftung (DHS) unterstützt Kindergärten, damit Kinder dort spielerisch und gestalterisch motiviert aufwachsen können, doch fällt das bei ihr in den Förderbereich Soziale Einrichtungen ebenso wie die Finanzierung von Altenpflegestätten. Im Förderbereich Ausbildung konzentriert sich die Dietmar-Hopp-Stiftung auf Schulen und Universitäten. Zwei Leitgedanken stehen dabei im Vordergrund. Erstens: „Ausrüstung von Schulen mit zeitgemäßen Technologien für die Datenverarbeitung, Medienanwendung und Informationsgewinnung zur Schließung der existierenden Lücke zwischen den Möglichkeiten der Schule und Praxis in der Berufswelt.“ Zweitens: „Förderung von Projekten, die der Integration von modernstem Stand der Informations- und Medientechnologie und der praktischen Anwendung im Bereich der Betriebswirtschaft oder Unternehmensführung dienen.“ Aktuelle Beispiele für diese beiden Prinzipien sind etwa die Ausstattung der Realschule in Neckargemünd mit modernen Rechnern und Bildschirmen sowie die Übernahme der Kosten für den Lehrstuhl von Prof. Dr. Thomas Hutzschenreuter an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar am Rhein.
Dietmar Hopp ist weit über die Region hinaus bekannt geworden durch seine Sportbegeisterung, mit der er den in der 2. Fußballbundesliga spielenden TSG 1899 Hoffenheim unterstützt. Kennzeichnend für Hopps Mäzenatentum ist seine Verbundenheit mit seiner kurpfälzischen Heimat. Für den Fußballclub spendiert er jetzt ein neues Stadion in Sinsheim, nachdem das ebenfalls von ihm finanzierte Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim (einem nach Sinsheim eingemeindeten Dorf) zu klein geworden ist. Über die Stiftung wurde ein Jugendförderzentrum in Zuzenhausen – ebenfalls in der Nachbarschaft von Sinsheim – finanziert, in dem sich die Jugend der Region fußballerisch und allgemein sportlich ausbilden kann.
Förderung medizinischer Forschung und Entwicklung
Die Biotech-Branche kennt Hopp vor allem als Investor, der in den letzten Jahren 300 Millionen Euro oder mehr in deutsche Biotechnologie-Unternehmen investiert hat. Davon profitierte die Region; zu seinen Portfolio-Unternehmen gehören Cytonet, Heidelberg Pharma, febit, Apogenix und Sygnis Pharma. Über die DHS in Walldorf, die heute zu den größten Privatstiftungen Europas gehört, unterstützt er in besonderem Maße medizinische Forschungsprojekte und Neuentwicklungen. Rund 40 Millionen Euro haben die medizinischen Fakultäten der Universität Heidelberg und die Kliniken in der Region in den letzten sechs Jahren dafür erhalten.
So erhielt das Krankenhaus Salem in Heidelberg für die Urologie und Innere Medizin ein von der Stiftung finanziertes hochmodernes „GreenLight-Lasersystem“ und das Universitätsklinikum Mannheim ein Hyperthermie-Gerät zur Behandlung von Tumoren in den tiefer gelegenen Körperregionen. Wie am 16. Oktober 2007 bekannt gegeben wurde, fördert die DHS an der Herzchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg ein „kardiales Tissue Engineering-Projekt“ zur Züchtung neuer Herzklappen mit körpereigenen Zellen im Bioreaktor. Die zunächst im Tiermodell gezüchteten Herzklappen sollen voraussichtlich schon in drei Jahren in klinischen Studien an Patienten erprobt werden.

Magnetresonanztomographie in der Kinderradiologie (© Dietmar-Hopp-Stiftung)
In der Universitätskinderklinik Heidelberg wird das Perinatalzentrum mit Hilfe der DHS errichtet. Prof. Michael Wannenmacher, emeritierter Direktor der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg, erklärte dazu: „Es scheint ein Teil des Charakters von Dietmar Hopp zu sein, andere Menschen an seinem Wohlstand teilhaben zu lassen. Insbesondere hat er ein Herz für Kinder. Krebskranke Kinder kommen von weit her in unsere Klinik und wir haben die Möglichkeit, ihnen mit qualitativ hochwertigen Therapien zu helfen. Wir haben mit großer Dankbarkeit wertvolle Geräte von der Stiftung entgegen nehmen dürfen – über unsere normalen Haushalte wäre eine Finanzierung unmöglich gewesen.“ Zu Ehren des Stifters findet am 8. November 2007 im neu errichteten Gebäude des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin eine Vortragsveranstaltung statt, in der über neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Pädiatrie berichtet wird, die mit Hilfe der von der Stiftung unterstützten Forschungsprojekte gewonnen wurden.
Hasso Plattner
Das Engagement des dritten großen Stifters unter den SAP-Gründern ist in der Region weniger bekannt als das von Hopp und Tschira. Auch Hasso Plattner hat die Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft zu seinem Hauptanliegen gemacht hat, seit er aus dem aktiven Geschäft ausgeschieden ist.

Hasso Plattner (© SAP)
Das größte Projekt seiner Stiftung hat der gebürtige Berliner aber nicht in der Rhein-Neckar-Region, sondern in Potsdam verwirklicht. Dort gründete er mit einem Gesamtaufwand von über 200 Mio. Euro das „Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik“, das einzige ausschließlich privat finanzierte Universitätsinstitut in Deutschland, und erweiterte sein Engagement in der brandenburgischen Hauptstadt durch die Errichtung eines Inkubators und eines Wagniskapitalfonds für IT-Firmengründer. Dass auch Plattner der Region seiner beruflichen Karriere verbunden ist, bewies er mit einer 10 Millionen Euro-Spende aus seiner Stiftung für den Ausbau der Bibliothek der Universität Mannheim. Mit dieser Spende wurde zugleich das ursprüngliche Aussehen des größten Barockschlosses im deutschen Südwesten, in dem die Universität Mannheim residiert, wieder hergestellt.
EJ – 01. 11. 2007
© BIOPRO Baden-Württemberg
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Dr. Ernst-Dieter Jarasch
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