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26.07.2010

Tissue Engineering: Ulmer Forscherin arbeitet an Regeneration von Ohrmuscheln

„Alltäglich im Klinikbetrieb sind sie nicht, aber doch häufiger als man annimmt“, sagt Nicole Rotter. Sie ist Leitende Oberärztin an der Ulmer Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Die Rede ist von beschädigten oder gar abgerissenen Ohrmuscheln. Deren Wiederherstellung ist schwierig und aufwändig. Das bislang praktizierte Verfahren setzte auf eine Rekonstruktion aus Rippenknorpel und erforderte mehrere Schritte. Dazu zählte bisher auch die Entnahme von drei oder vier Rippen bei mehreren Operationen von vier bis fünf Stunden Dauer.

Problem der mechanischen Stabilität

Zentrales Anliegen des momentan auf drei Jahre angelegten Forschungsnetzwerks ist es, neue Strategien zur Regeneration von Knorpelgewebe für die Ohrmuschel, die auf innovativen Biomaterialien beruhen, zu entwickeln. „Alle Partner können bereits umfangreiche und viel versprechende Vorarbeiten aufweisen“, sagt die Ulmer Forscherin. Die schwedischen Kollegen zum Beispiel beschäftigten sich mit der Herstellung von Zellulose aus Bakterien. Das Problem, mechanische Stabilität beim plastischen Aufbau von Knorpelgewebe zu erreichen, beschäftigt nach Rotters Worten alle beteiligten Forschergruppen.

Nicole Rotter selbst beschäftigt sich seit ihrer Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München mit ihrem Spezialgebiet Tissue Engineering, darunter auch bei mehreren Forschungsaufenthalten in den USA. Die noch ausstehende klinische Anwendung im Kopf-Hals-Bereich hat für sie eine einfache Ursache: „Hier sind bei weitem nicht so viel Mittel investiert worden wie beispielsweise im Gelenkbereich, wo ein enormer Bedarf erwartet wird.“ Bedarf sieht die Ulmer Medizinerin aber auch im Bereich Hals, Nasen und Ohren, nicht zuletzt bei der Wiederherstellung von Ohrmuscheln. Als Gründe führt sie angeborene Schäden, Tumoren, Auto- oder Fahrradunfälle, mitunter auch Pferdebisse an. Gefährdet sind nach ihren Worten manchmal auch Cabrio-Fahrer.

Vorsichtiger Optimismus


Preisträgerin Nicole Rotter (Mitte) im April mit Stifterin Dr. Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels 

Zu den Besonderheiten bei der Rekonstruktion des äußeren Hörorgans zählt nach Rotters Worten der hohe Bedarf von Gewebe für das Knorpelgerüst. Darüber hinaus müsse man „sich auch um die Haut kümmern.“ Das sei der Grund dafür, dass sich auf die Wiederherstellung ganzer Ohrmuscheln nur einige wenige Kliniken spezialisiert haben.
Teile von Ohrmuscheln werden in Rotters Team häufig rekonstruiert. Dass dies auch mit körpereigenem Gewebe möglich sein wird, davon ist Nicole Rotter überzeugt und gibt sich vorsichtig optimistisch. Auf drei Jahre ist das EU-Projekt angelegt. „Wenn wir es in diesem Zeitraum schaffen, wäre es wunderbar“, blickt die Leiterin der achtköpfigen Ulmer Forschungsgruppe in die Zukunft.

Die Vorteile des Verfahrens liegen nach Nicole Rotters Worten auf der Hand. Zum einen habe der Patient weniger Belastungen auszuhalten, zum anderen steht zu erwarten, dass Implantate vom Immunsystem viel besser angenommen werden als dies bei Fremdmaterialien der Fall sei. „Die von der Preisträgerin vorangetriebene Forschung leistet einen wichtigen Beitrag zu einer der zentralen Technologien für die regenerative Medizin“, hatte denn auch die Solms-Stiftung die Auszeichnung der Ulmer Wissenschaftlerin begründet.

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Universität Ulm (21.07.10) wp - 26.07.2010

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