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11.02.2010

Brücken zwischen Hochschulerfindern und Unternehmen

Auch in Krisenzeiten erwartet der Kunde von seinen Lieferanten neue Produkte und neue Dienstleistungen. Die erfolgreichsten Unternehmen sind diejenigen mit der stärksten Innovationskraft. Vermehrt greifen auch Firmen aus den Life-Sciences-Bereichen auf ihrer Suche nach neuen Ideen auf Erfindungen aus Universitäten und Hochschulen zurück. Das Technologie-Lizenz-Büro (TLB) in Karlsruhe ist für Patente aus den baden-württembergischen Hochschulen seit 20 Jahren dafür die erste Adresse und gemessen an den Verwertungserfolgen auch Deutschlands erfolgreichste Patentverwertungsagentur für Hochschulerfindungen. Im Interview erklärt Thomas Schurr, freier Mitarbeiter bei TLB in den Bereichen Businessdevelopment, Verwertung und Start-up-Unterstützung, warum es in Sachen Erfindungsverwertung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft häufig noch Berührungsängste gibt.

Porträtfoto Thomas Schurr
Thomas Schurr, freier Mitarbeiter für TLB in den Bereichen Businessdevelopment, Verwertung und Start-up-Unterstützung. (© Kratt)

Bei TLB gehen jährlich 120 bis 150 Erfindungsmeldungen von Universitäten und Hochschulen ein: Welche Rolle spielt dabei das Gebiet Life Sciences?

Die Anzahl an Erfindungsmeldungen aus den Bereichen Life Sciences und Physical Sciences steht in etwa im Verhältnis. Auch bei den insgesamt zirka 40 Erfindungen, die jährlich nach eingehender Prüfung dann zum Patent angemeldet werden, ist das Verhältnis ähnlich. Bei der Verwertung muss man unterscheiden: Erfindungen aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften erzielen häufig bereits kurzfristig Erlöse, im Bereich Life Sciences dagegen sind die Zeiträume bis zur Marktfähigkeit sehr lang, allerdings sind in Einzelfällen die Erlöse wesentlich höher. Pharmazeutische Erfindungen sind hier am interessantesten, weil sie den größten wirtschaftlichen Wert besitzen. So haben wir auch im Bereich Pharma/Medizin auch die meisten Verwertungsfälle, gefolgt von den Bereichen Medizintechnik/Medicalprodukte und Chemie/Biotechnik.

Welche sind generell die größten Herausforderungen bei der Verwertung von Hochschulerfindungen?

Die größte Herausforderung ist, in einer Erfindung das Innovationspotenzial zu sehen und dafür den richtigen Lizenznehmer zu finden. Im Bereich von Physical-Sciences-Erfindungen besteht die Herausforderung in der Ansprache einer zersplitterten Unternehmenslandschaft, insbesondere bei Zulieferbetrieben. Im Life-Sciences-Bereich wird die Verwertung durch das schwankende Innovationsverhalten der unter großem wirtschaftlichem Druck stehenden Unternehmen komplizierter, was von uns immer wieder neue flexible Verwertungsstrategien verlangt. Hinzu kommen die hohen Patentkosten. Damit beispielsweise Wirkstoffe für potenzielle Lizenznehmer interessant sind, müssen wir sie für viel Geld patentrechtlich in möglichst vielen Ländern schützen lassen. Das rechtfertigt sich nur, wenn wir die Nachfrage auch entsprechend positiv einschätzen. Große Pharma-Unternehmen suchen zwar dringend nach Innovationen, verlangen allerdings auch präklinische Daten, die Universitäten oder Universitätskliniken meistens nicht bereitstellen können. Für TLB kommen deshalb zunehmend auch mit genügend Risikokapital ausgestattete Start-ups oder KMU in Betracht, welche die Weiterentwicklungen vorantreiben bis sie für Big Pharma interessant sind.

Ist die Erfindungsverwertung in den vergangenen Jahren komplizierter geworden, da es immer mehr Patentschutzgesetze und einen zunehmend größeren Pool an Erfindungen im Allgemeinen gibt?

Da wir mit erstklassigen Patentanwälten zusammenarbeiten, die verständlicherweise immer auf dem neuesten Stand sind, und wir zudem zwei Rechtsanwältinnen im Hause haben, sind neue Patentschutzgesetze kein Problem für uns. In der steigenden Zahl von Erfindungen sehen wir die positive Seite, schließlich erweitert sich auch das TLB-Portfolio ständig. Damit wächst die Möglichkeit, Patentfamilien zu bilden, die Unternehmen ganz neue Lösungen bieten können. Ich meine damit die Bündelung von Patenten aus ganz unterschiedlichen technischen Bereichen mit dem Ziel gemeinsamer Problemlösungen. Hier spielen vor allem auch technologiebezogene Softwarepatente eine Rolle, deren Zahl auch in Zukunft weiter steigen wird. Software ist als Querschnittsthema, das alle Branchen und Geschäftsbereiche durchzieht, für unsere Verwertungsarbeit hochinteressant.

Ein Beitrag von:
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Michael Statnik - 11.02.2010
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

Weitere Informationen zum Beitrag:

Thomas Schurr
Tel.: 0721/79004-39
E-Mail: tschurr(at)tlb.de

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