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Lange war die Biologie eine rein analytische Wissenschaft. Das heutige Wissen über die Funktionen einzelner Zellkomponenten lässt sich jedoch immer besser auch synthetisch umsetzen. Der kürzlich an die Universität Freiburg berufene Biotechnologe Prof. Dr. Wilfried Weber wollte die Biologie von Anfang an praktisch anwenden. Inzwischen verstehen er und seine Mitarbeiter es gut, Teile von Signalnetzwerken für ihre Zwecke neu zusammenzubauen. So haben sie es zum Beispiel geschafft, die Antibiotika-Resistenz eines Bakteriums auszuschalten.
„Etwas Ähnliches passierte in der Chemie schon im Mittelalter“, sagt Prof. Dr. Wilfried Weber, seit Mai 2009 Professor für Synthetische Biologie am Zentrum für biologische Signalstudien (bioss) in Freiburg. „Da haben die Leute allerdings ohne viel Wissen Sachen zusammen gekippt und geschaut, was dabei rauskommt.“ Im gleichen Maße wie die Chemiker der folgenden Jahrhunderte einzelne chemische Prinzipien enthüllt haben, konnten sie sie auch immer besser für ihre Zwecke kombinieren. Die heutige synthetische Chemie durchdringt fast alle Lebensbereiche. Auch Biologen kennen inzwischen zahlreiche molekulare Details der Zelle. Sie haben heute ein enormes Wissen über die systemischen Zusammenhänge ganzer Signal- oder Gennetzwerke. „Was läge näher, als jetzt die bekannten biologischen Bausteine neu zu kombinieren und damit neue Anwendungen zu ermöglichen?“, fragt Weber.
„Antibiotika-Resistenzen treten bei vielen Bakterien auf und stellen heute ein immer größeres Problem dar“, sagt der Biologe. „Die Pharma-Industrie sucht zwar immer nach neuen Antibiotika, aber diese sind nur schwer zu finden. Wir haben den umgekehrten Weg versucht.“ Resistenzen kommen zustande, weil die Bakterien lernen, ein Gegenmittel zu detektieren und entsprechende Antwortreaktionen einzuleiten. Komplizierte Signalnetzwerke in den Bakterienzellen vermitteln diesen Prozess. Weber und seine Mitarbeiter untersuchten diese Signalnetzwerke im Tuberkulose-Bakterium, indem sie sie isolierten und in menschliche Zellen einbauten. Durch die Kombination unterschiedlicher Komponenten fanden sie schließlich einen Schwachpunkt, den sie mit dem kleinen Molekül BV6481 angreifen können. So verliert das Bakterium seine Resistenz. Mit den weiteren Forschungen in diesem Bereich beschäftigt sich nun die von Weber 2008 mitbegründete Firma BioVersys GmbH, der er als Berater zur Seite steht. Es wird jetzt darum gehen, auch andere Bakterien zu untersuchen, zum Beispiel multiresistente Erreger in Krankenhäusern, an denen viele OP-Patienten erkranken.
Viel Forschung ist hierfür noch nötig. Weber und sein Team wollen lernen, wie die entsprechenden Signalnetzwerke funktionieren, welche Komponenten notwendig sind, welche Rahmenbedingungen gelten müssen. Bleibt da Zeit für die Familie? Der Wissenschaftler, der früher viel segelte und ruderte, genießt heute jede freie Minute mit seinen drei Kindern im Alter von einem, drei und sechs Jahren. Momentan wohnt die Familie noch in der Schweiz, Webers Frau arbeitet in Basel. Im September ist aber der Umzug nach Freiburg geplant. „Freiburg ist für Familien optimal“, sagt der Biotechnologe und lächelt.

Weitere Informationen zum Beitrag:
Prof. Dr. Wilfried Weber
Zentrum für biologische Signalstudien (bioss)
Institut für Biologie II
Schänzlestr. 1
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
79108 Freiburg
Tel.: +49 (0)761/203-97654
E-mail: wilfried.weber(at)bioss.uni-freiburg.de
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