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Der Transport von Proteinen über die zwei Membranen der Mitochondrien ist ein komplexer Vorgang. Riesige molekulare Maschinen erkennen die Eiweißvorläufer, die im Zellinneren gebildet wurden und für die Energiekraftwerke der Zelle bestimmt sind. Einige dieser Substanzen passieren sowohl die äußere als auch die innere Membran. Ein Teil bleibt jedoch im Intermembranraum. Wie werden die Moleküle sortiert? Vor fünf Jahren haben die Molekularbiologin Dr. Agnieszka Chacinska und ihr Team von der Universität Freiburg ein neues molekulares System entdeckt, das diese Arbeit macht. Und das auf der Basis eines eigentlich unmöglichen Vorgangs funktioniert.
„Wenn der ternäre Komplex aus Mia40, Erv1 und dem Protein auseinander fällt, dann sind zwei neue Disulfidbrücken in dem Protein eingefügt, und das führt dazu, dass es sich faltet und den Intermembranraum nicht mehr verlassen kann“, sagt Chacinska. „Die einzelnen Zwischenschritte des Vorgangs wären in dem reduktiven Milieu des Intermembranraums ohne den Schutzraum aus Erv1 und Mia40 vermutlich nicht möglich.“ Die Zwischenprodukte wären zu instabil und würden schnell umgebaut.
Bisher haben Chacinska und ihre Mitarbeiter ihre Erkenntnisse nur an dem Modellsystem der kleinen Tim-Proteine in Hefezellen getestet. In Zukunft möchten sie herausfinden, ob auch andere für den Intermembranraum bestimmte Proteine auf eine ähnliche Weise prozessiert werden. Außerdem: Mia40 und Erv1 sind für eine Zelle absolut lebensnotwendig. Aber gibt es auch zusätzliche Mitspieler, die den Vorgang lediglich regulieren? Und wie sieht es mit dem Mechanismus in den Zellen höherer Organismen aus?
Und noch eine weitere Frage stellt sich. Die Disulfidbrücken bilden sich in chemischen Reaktionen aus, bei denen Elektronen von einem Molekül auf ein anderes springen. Solche Reaktionen erzeugen immer wieder auch reaktive Sauerstoffmoleküle als Nebenprodukte. Diese sogenannten Radikale können in einer Zelle viel Schaden anrichten. Das Altern und viele neurodegenerative Erkrankungen stehen in engem Zusammenhang mit entstehenden Radikalen in den Mitochondrien. „Spielt das System aus Mia40 und Erv1 eine Rolle bei solchen unerwünschten Effekten?“, fragt Chacinska. „Auch diese Fragen möchten wir in Zukunft beantworten können.“

Weitere Informationen zum Beitrag:
Agnieszka Chacinska
Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Stefan-Meier-Straße 17
D-79104 Freiburg
Tel.: +49 (0)761/203 -5245,
Fax: +49 (0)761/203 -5261
E-Mail: Agnieszka.Chacinsk(at)biochemie.uni-freiburg.de
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