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Erneuerbare Energien kommen nicht aus dem Nichts. Ein nachhaltiger Brennholzanbau zum Beispiel erfordert Plantageflächen. Immer wieder kritisieren Gegner, dass der pflanzlichen Nahrungsmittelproduktion sprichwörtlich der Boden entzogen wird. Wie man dieses sogenannte „Teller-Tank“-Dilemma umgehen kann, untersucht unter anderem die Forstwissenschaftlerin Janine Fischbach und ihre Kollegen von der Universität Freiburg.
Pappeln oder Weiden wachsen sehr schnell - das wissen auch große Industriekonzerne wie RWE. Um die Biomasse als nachhaltige und brennbare Energiequelle zu nutzen, kaufen sie in Deutschland immer mehr Anbauflächen für so genannte Kurzumtriebsplantagen (KUP) auf. Der Naturschutz sieht das eher ungern, denn die selben Anbauflächen könnten Gemüse oder Getreide hervorbringen. Die Diskussion um das „Teller-Tank“-Dilemma ist bisweilen emotional, reflektiert aber ein gesellschaftliches Problem: In welchen Anteilen verteilt man die vorhandene landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf die Interessenten?
Eine Lösung ist, die Konkurrenzsituation zu entschärfen. Zum Beispiel, indem man energetisch nutzbares Holz auf Böden anbaut, die so karg sind, dass sich auf ihnen Nahrungsmittelanbau nicht rentiert. „Das ist einer der Gründe, warum wir in einem großen Projekt biologische, ökologische und wirtschaftliche Aspekte solcher Marginalstandorte für Kurzumtriebsplantagen untersuchen“, sagt Janine Fischbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft der Universität Freiburg.
Fischbach richtet ihr Augenmerk eher auf ökologische und wirtschaftliche Probleme. Welche Anbau- oder Ernteverfahren und welche Verwendungszwecke für das Holz sind besonders umweltschonend? Wie kann man die Kosten senken und den Energiegewinn erhöhen? „Die meisten Ökobilanzen hören bei der Verbrennung der Holzprodukte auf“, sagt die Forscherin. „Wir versuchen, alle 'Inputs' und 'Outputs' zu berücksichtigen, angefangen bei der Urbarmachung eines Ackers, über die Bepflanzung, die Kulturpflege, das Wachstum und die Ernte bis hin zu der Verwendung und zu den Abfällen, die bei der Verbrennung der Holzprodukte im Industrie- oder Privatofen entstehen.“
Typische „Inputs“ in solchen Analysen sind etwa Dünger- und Pestizideinsatz, die Arbeitszeit, die es kostet, bewurzelte oder wurzelnackte Pflanzen, Ruten oder Stecklinge zu pflanzen, der Benzinverbrauch unterschiedlicher Pflanz- und Erntemaschinen, der Wassergehalt und die Füllmenge der Container mit Hackgut oder die Länge der Transportwege zu den Bestimmungsorten. Dem gegenüber stehen „Outputs“ wie etwa der Energiegewinn aus der Biomasse, der Abgasausstoß verschiedener Maschinen (Anbau, Pflege, Ernte, Transport), die Emissionen, die während der Verbrennung der Holzprodukte in den verschiedenen Öfen entstehen, die Änderung der Kohlenstoff- und Stickstoffvorräte im Boden oder die Asche, die am Ende entsorgt werden muss – oder vielleicht sogar wieder ausgebracht werden kann.
„Durch Fachliteratur und Fachtagungen versuche ich zunächst, verschiedene typische Prozessketten beim Anbau von KUP zu identifizieren“, sagt Fischbach. Die Prozessketten unterscheiden sich etwa durch die Wahl der Bepflanzungsart (händisch oder maschinell), durch die Wahl eines bestimmten Erntesystems (Hacker oder Häcksler) und Maschinentyps, durch die Wachstumszeit der Pflanzen, durch die Verarbeitung des Hackguts zu unterschiedlichen Endprodukten wie Hackschnitzeln oder den weiter veredelten Pellets und durch den Bestimmungsort des Endprodukts (etwa die Art des Ofens).
„Als nächstes untersuche ich jeden einzelnen der Schritte auf die 'Inputs' und die 'Outputs' hin. Konkret bedeutet das zum Beispiel, stundenlang mit einer Stoppuhr in einem Feld zu sitzen und die verschiedenen Arbeitsschritte eines bestimmten Erntemaschinentyps zu erheben“. Wie lange braucht die Maschine für das Anfahren? Für das Baumgreifen? Für das Fällen? Wie lange braucht ein Häcksler, um eine Reihe zu ernten? Muss die Maschine auf den Container warten, um das Hackgut abzuliefern? Lässt sich einer der Schritte optimieren? In diesem Zusammenhang sollen in dem Projekt auch Kosten-Nutzenbilanzen typischer Prozessketten aufgestellt werden.

Weitere Informationen zum Beitrag:
Diplom-Forstwirtin Janine Fischbach
Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Werthmannstraße 6
D-79085 Freiburg
Tel. +49 761-203 3754
Fax +49 761-203 3763
E-Mail: janine.fischbach(at)fobawi.uni-freiburg.de
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